Zusammenfassung
Obschon die intrauterine Exposition gegenüber Drogen vom Typ Opioide, Cannabinoide
sowie Kokain eine nicht ganz seltene Entität ist, liegen nur wenige systematische
Arbeiten zu deren langfristigen Konsequenzen für die Entwicklung Betroffener vor.
Wesentliche Konsequenzen der Exposition gegenüber Opioiden sind innerhalb der ersten
2 Lebensjahre eine Reduktion der motorischen Entwicklungs-Scores, die sich bis zum
Schulkindesalter und Adoleszenz verbessern. In diesen Altersabschnitten finden sich
für kognitive und Verhaltensuntersuchungen in Metaanalysen deutliche, allerdings nicht
signifikante Trends zu verminderten Leistungen nach Exposition. Die Nachuntersuchungen
nach intrauteriner Exposition gegenüber Cannabinoiden zeigen in einem Teil der Studien
verminderte kognitive Leistungen und eine verschlechterte Lesefunktion sowie Störungen
der Exekutivfunktionen der komplexen Planung. Bei Jungen zeigen sich in der Verhaltensanalyse
vermehrt externalisierende Störungen. Die pränatale Kokainexposition führt hinsichtlich
der Variablen Kognition, Sprache sowie Verhalten zu einer schwach signifikanten Verminderung
der Leistungen Betroffener bis zur Adoleszenz. Insgesamt ist bei der Interpretation
der Nachsorgedaten zu beachten, dass widersprüchliche Resultate publiziert wurden,
die zumindest partiell durch differente Umgebungsbedingungen während der Kindheit
zu erklären sind. Die aufgeführten Daten sollten ein Grund mehr sein, primäre und
sekundäre Präventivbemühungen zu intensivieren.
Abstract
Although prenatal exposure to opioids, cannabinoids and cocaine is a frequent problem,
only scarce data have been published on the long-term outcome in affected children
and adolescents. While opioid-exposed children up to the age of 2 years show a reduced
motor developmental pattern, data from meta-analyses up to adolescence show a strong
trend for reduced performance with regard to cognitive function and behavior. Follow-up
data after intrauterine cannabinoid exposure indicate reduced cognitive and reading
abilities as well as abnormal findings in complex planning tests. Externalizing pathologies
have been observed more frequently in boys. Prenatal cocaine exposure results in reduced
cognitive and verbal development up to adolescence; however, differences are small
but significant in meta-analyses. Interpretation of follow-up data with partially
contradictory results may reflect methodological differences and a number of modifying
co-factors, e.g., social conditions during the childhood period. These data should
encourage further primary and secondary preventive attempts.
Schlüsselwörter
intrauterine Exposition - Opioide - Cannabinoide - Kokain - Langzeitentwicklung
Key words
prenatal exposure - opioids - cannabinoids - cocaine - long-term development