Zusammenfassung
Todeswünsche bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung
sind bereits seit längerem Gegenstand der psychoonkologischen Forschung.
Auch wenn es inzwischen einige Ansätze gibt, die sich mit der
Konzeptualisierung und Beschreibung von Todeswünschen befassen, fehlt es
bislang an einem in der klinischen Praxis gut anwendbaren Konzept und
dazugehörigen Erhebungsinstrumenten. Ziel der Studie ist deshalb die
phänomenologische Beschreibung von Todeswünschen bei Patienten
mit fortgeschrittenem Krebs. Dafür wurden N=228 transkribierte
Psychotherapiegespräche von 76 Patienten im Rahmen der
randomisiert-kontrollierten Psychotherapiestudie Managing Cancer and Living
Meaningfully (CALM) hinsichtlich des Themas Todeswunsch explorativ
analysiert. Von den untersuchten 76 Patienten berichteten 16 (21%)
explizit von Todeswünschen. Mithilfe ihrer Beschreibungen konnten zwei
Dimensionen identifiziert werden: (1) Gründe für
Todeswünsche mit sieben Unterkategorien (Vermeidung von Schmerz und
Leid, Kontrolle und Selbstbestimmung erhalten, körperlicher Abbau und
Begrenzungen im Alltag, Angst vor Siechtum, Leben nicht mehr lebenswert,
Gefühl der Lebensvollendung und alles getan zu haben, fehlende
Zukunftsperspektiven) sowie (2) der Grad des mit dem Todeswunsch verbundenen
Handlungsdrucks. Die Ergebnisse stimmen mit existierenden Theorien zu
Todeswünschen bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung
größtenteils überein. Als zusammengehörige
Dimensionen des Phänomens Todeswunsch wurden sie jedoch bisher noch
nicht beschrieben. Vor allem für die klinische Praxis scheint dies sehr
sinnvoll zu sein, da die Gründe in der Therapie
größtenteils bearbeitbar sein dürften und der Grad des
Handlungsdrucks Aufschluss über die Notwendigkeit einer Intervention
geben kann.
Abstract
Death wishes in patients with advanced cancer is a research topic of high
interest in psycho-oncologic research. Despite existing concepts describing
death wishes, there is a lack of clinically applicable concepts and appropriate
instruments. The objective of this study was the phenomenological description of
death wishes in patients with advanced cancer. For this purpose, we
qualitatively explored N=228 transcribed psychotherapeutic treatment
sessions of 76 patients derived from an RCT evaluating the efficacy of
Managing Cancer and Living Meaningfully (CALM) psychotherapeutic
intervention. Sixteen out of the 76 patients explicitly reported death wishes
(21%). Two dimensions were identified: (1) reasons for a death wish with
seven subcategories (avoidance of pain and suffering, maintaining control and
self-determination, physical deterioration and limitations in everyday life,
fear of infirmity, life not longer worth living, feeling of life completion and
having done everything, lack of future perspectives) and (2) the degree of
pressure to act associated with the death wish. These results are consistent
with existing theories regarding death wishes in patients with advanced cancer.
However, they have not yet been described as interrelated dimensions of the
phenomenon of the death wish.
Schlüsselwörter
WTHD - Todeswünsche - fortgeschrittener Krebs
Keywords
WTHD - death wishes - advanced cancer