Pneumologie 2024; 78(S 01): S41
DOI: 10.1055/s-0044-1778822
Abstracts
Intensiv- und Beatmungsmedizin

Einfluss einer Kolonisation oder Infektion mit multiresistenten Erregern auf das prolongierte Weaning

Autor*innen

  • V Gassmann

    1   Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, German Center for Lung Research (Dzl); Pneumologie und Beatmungsmedizin
  • J Michels-Zetsche

    1   Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, German Center for Lung Research (Dzl); Pneumologie und Beatmungsmedizin
  • J Jasuja

    2   Universitätsklinikum Heidelberg; Zentrum für Infektiologie, Parasitologie
  • B Neetz

    3   Thoraxklinik Heidelberg; Thoraxklinik Heidelberg; Pneumologie
  • P Höger

    4   Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, Pneumologie und Beatmungsmedizin
  • J Meis

    5   Institut Medizinische Biometrie und Informatik, Universitätsklinikum Heidelberg; Universitätsklinikum Heidelberg; Institut für Medizinische Biometrie
  • S Britsch

    6   Universitätsklinikum Mannheim
  • U Sommerwerck

    7   KH der Augustinerinnen Köln; Pneumologie; Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin
  • F Bornitz

    8   Asklepios Klinikum Barmbek
  • M Müeller

    9   Thoraxklinik-Heidelberg, Universitätsklinikum Heidelberg; Thoraxklinik; Pneumologie und Beatmungsmedizin
  • F Herth

    10   University Hospital Heidelberg; Institute of Internal Medicin III – Pneumology; Thoraxklinik
  • F Trudzinski

    11   Thoraxklinik Heidelberg; Thoraxklinik Heidelberg; Pneumologie und Beatmungsmedizin
 

Hintergrund Obwohl eine Kolonisation/ Infektion mit multiresistenten Erregern (MRE) bei Patient*innen im prolongierten Weaning im klinischen Alltag sehr häufig auftritt, gibt es kaum Daten zu ihrem Einfluss auf das Weaning-Outcome.

Methoden Es handelt sich um eine retrospektive Analyse von Patient*innen, die sich von Januar 2018 bis Dezember 2020 in unserem Weaning-Zentrum (WZ) im prolongierten Weaning befanden. Wir untersuchten den Einfluss einer Besiedlung oder Infektion mit MRE auf das Weaning-Outcome. Dabei wurden Weaningkategorien 3a (erfolgreiches prolongiertes Weaning von invasiver Beatmung ohne Fortführung einer Langzeit-NIV) und 3b (erfolgreiches prolongiertes Weaning von invasiver Beatmung mit Fortführung einer NIV) mit Kategorie 3c (erfolgloses Weaning von invasiver Beatmung) verglichen. Die berücksichtigten MRE waren multiresistente gramnegative Erreger (3-/4-MRGN), Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) und Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE).

Ergebnisse Wir analysierten 206 Patient*innen im Alter von 65,0± 13,1 Jahren, von denen 55% Männer und 45% Frauen waren. MRE wurden in 44% nachgewiesen (32% VRE, 16% MRGN, 1,5% MRSA). Insgesamt konnten 70,9% erfolgreich von der Beatmung entwöhnt werden. Patientinnen mit einer MRE Besiedelung hatten signifikant häufiger Weaningversagen (38,5% vs. 21,7% p=0,031). In der multivariaten Analyse war die MRE Besiedelung ein unabhängiger Risikofaktor für Weaningversagen (OR 2,3, p=0,014) neben männlichem Geschlecht (OR 2,3, p=0,019), Carlson Comorbidity Index (OR 1,2, p=0,027), pH (OR 2,4, p=0,003) und Beatmungszeit vor Verlegung ins WZ (OR 1.01, p=0.001). Zusätzlich war der MRE Nachweis der einzige unabhängige Risikofaktor für Versterben im WZ (Kategorie 3cII, OR 3,47, p=0,026).

Schlussfolgerung Um die Prognose der Patient*innen im prolongierten Weaning zu verbessern, sind antiinfektive Strategien und Antibiotic Stewardship auf Intensivstationen und Weaningstationen unverzichtbar.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
01. März 2024

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