Klin Monbl Augenheilkd 2000; 217(6): 351-355
DOI: 10.1055/s-2000-9574
KLINISCHE STUDIE

Georg Thieme Verlag Stuttgart ·New York

Stellenwert der postoperativen Positionierung in der Chirurgie des idiopathischen Makulaforamens - Kontrollierte konsekutive Studie[1]

Significance of face-down positioning after macular hole surgery with long-acting gas - consecutive case control studyPeter Szurman, Filippo M. Di Tizio, Bart Lafaut, Sabine Aisenbrey, Salvatore Grisanti, Sigrid Roters, Karl U. Bartz-Schmidt
  • Universitäts-Augenklinik Köln, Joseph-Stelzmann-Str. 9, Köln (Direktor: Prof. Dr. med. G. K. Krieglstein)
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
31. Dezember 2000 (online)

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Zusammenfassung

Hintergrund Die postoperative Positionierung mit dem Gesicht nach unten nimmt in der Chirurgie des Makulaforamens mit kurzwirkender Tamponade eine zentrale Stellung ein. Ungeklärt ist, ob auch bei der Verwendung eines langwirkenden Gases eine postoperative Positionierung notwendig ist.

Patienten und Methoden Als Gesamtgruppe wurden 50 Augen mit einem Nachbeobachtungszeitraum von 6 - 12 Monaten nach Chirurgie eines primären idiopathischen Makulaforamens konsekutiv ausgewertet. Eine Kohorte mit 25 Augen wurde mit C3F8-Gas (16 %) ohne postoperative Positionierung behandelt. Als Kontrolle diente eine Kohorte mit SF6-Gastamponade (20 %) und strikter Positionierung über zwei Wochen.

Ergebnisse In der Kohorte mit SF6-Gas und strikter Positionierung lag die anatomische Erfolgsrate bei 64 %, in der Kohorte mit C3F8-Tamponade ohne Positionierung wurde ein primärer Lochverschluss bei 88 % der Patienten erreicht. Einen funktionellen Erfolg mit einem Visusanstieg von 3 Zeilen erreichten in der SF6-Gruppe 44 %. Der durchschnittliche postoperative Visus betrug 0,17 mit einem mittleren Anstieg von 1,4 Zeilen. Lesefähigkeit mit einem Visus von mindestens 0,4 erreichten nur 12 %. In der C3F8-Gruppe verbesserten sich 72 % der Patienten um mindestens 3 Visusstufen, wobei der mittlere Visus um 3,3 Zeilen auf 0,34 anstieg. Einen Lesevisus (¿ 0,4) erreichten 48 % der Patienten.

Schlussfolgerungen Die signifikant höhere Erfolgsrate unter C3F8-Tamponade ohne Positionierung im Vergleich zu SF6-Gas mit Positionierung bestätigt die kumulative Tamponadedauer als einen kritischen Faktor. Bei der Tamponade mit einem kurzwirkenden Gas gewährleistet nur die konsequente Positionierung den Kontakt zwischen Foramen und dem Gasmeniskus und ist umso bedeutender, je kleiner die Gasblase wird. Während bei optimalem Verlauf im Einzelfall die Potenz zu einer deutlichen Visusverbesserung besteht, zeigt sich insgesamt eine breite Variabilität der postoperativen Erfolgsrate. Bei C3F8-Gas wird in aufrechter Kopfhaltung eine kontinuierliche Tamponade mit einer kumulativen Dauer von zwei Wochen erreicht, so dass auch ohne Positionierung eine ausreichende gliale Defektheilung resultieren kann.

Background Postoperative face-down positioning is considered to be a critical part in macular hole surgery with short-acting gas. However, the significance of this posturing remains uncertain using long-acting gas tamponade.

Patients and Methods Fifty consecutive eyes with idiopathic full-thickness macular holes underwent macular hole surgery with a follow up time of 6 - 12 months. The results of a cohort (25 eyes) with complete C3F8 (16 %) vitreous fill without posturing was compared to a cohort (25 eyes) with SF6 (20 %) with strict postoperative face-down positioning for two weeks.

Results With SF6 tamponade the anatomic success rate was 64 %, in the C3F8 cohort a complete closure was achieved in 88 %. In the SF6 cohort, visual recovery of three lines or better was attained in 44 %, resulting in a visual acuity of 20/50 or better in 12 %. The mean postoperative visual acuity was 20/125 with a mean rise of 1.4 lines. In the C3F8 cohort, 72 % improved for at least three lines with a mean postoperative visual acuity of 20/63 and a mean visual recovery of 3.3 lines. Visual acuity of 20/50 or better was noted in 48 % of eyes.

Conclusion The significantly higher success rate using C3F8 tamponade without positioning compared to SF6 gas tamponade with positioning confirms the cumulative tamponade duration being a crucial factor in macular hole surgery. Using a tamponade with short-acting gas only strict postoperative positioning ensures the contact of the gas bubble with foveal tissue and gains significance with reducing bubble size. While a potential for significant visual recovery in certain cases is evident, all in all a broad variability of the postoperative success rate can be stated. In contrast, even in supine position C3F8 attains a continuous tamponade enforcing a sufficient glial wound healing without any positioning.

1 Manuskript erstmalig eingereicht am 20. 6. 00 und in der vorliegenden Form angenommen am 28. 8. 00.