Zusammenfassung
Einleitung Laparoskopische Magenresektionen sind insbesondere in Asien bei der Behandlung von Frühkarzinomen (EGC) etabliert. Für fortgeschrittene Magenkarzinome (AGC, >T2) befindet sich das Verfahren aktuell in der Evaluation. Es stellt sich die Frage, inwieweit asiatische Studiendaten auf westliche Verhältnisse übertragen werden können.
Material und Methode Aus insgesamt 502 Patienten, die zwischen 2003 und 2016 wegen eines Magenkarzinoms am Klinikum Südstadt Rostock operiert werden mussten, wurden für eine retrospektive Kontrollstudie von laparoskopischer und offener D2-Gastrektomie 90 Patienten selektioniert und für eine Matched-Pair-Analyse nach Alter, Geschlecht und histopathologischem Tumorstadium (TNM, UICC) den beiden Untersuchungsgruppen laparoskopische Gastrektomie (LG, n = 45) und offene Gastrektomie (OG, n = 45) zugewiesen.
Ergebnisse Das Durchschnittsalter der Gesamtkohorte betrug 62,9 Jahre (33 – 83 Jahre). 42,4% waren Frauen. Die Untersuchungsgruppen unterschieden sich bez. BMI, ECOG-Performance-Status (ECOG: Eastern Cooperative Oncology Group) und Nebenerkrankungsrate nicht. EGC und AGC waren in 35,5 und 64,4% in der LG-Gruppe sowie 28,9 und 71,0% in der OG-Gruppe vertreten (p = 0,931). In der LG-Gruppe waren 53,3% der Patienten nodal negativ (vs. OG 51,1%, p = 0,802). Eine perioperative Chemotherapie erhielten 31,1% in der LG-Gruppe und 33,3% in OG-Gruppe (p = 0,821). Eine Gastrektomie wurde in 73,3% im LG-Arm und 82,2% im OG-Arm durchgeführt. Subtotale Resektionen erfolgten in 26,7% (LG) und 17,8% (OG, p = 0,310). Die R0-Resektionsrate betrug in beiden Gruppen 97,8%, für EGC jeweils 100%. Die Anzahl der resezierten Lymphknoten (LK) war in der LG-Gruppe mit 33,1 (17 – 72) signifikant höher als in der OG-Gruppe (28,2; 14 – 57). Laparoskopische Resektionen benötigten eine signifikant längere OP-Zeit (227,2 vs. 184,2 min, p = 0,0054). Minorkomplikationen Grad I – II waren im LG-Arm signifikant seltener (LG vs. OG 13,3 vs. 37,8%, p = 0,0078). Majorkomplikationen Grad >III traten gleich häufig auf (LG vs. OG 8,8 vs. 6,6%, p = 0,69). Patienten nach LG konnten jeweils signifikant eher flüssige Kost aufnehmen (LG vs. OG 25,9 vs. 46,2 h), wiesen eine kürzere postoperative Atonie auf (LG vs. OG 81,6 vs. 102,2 h) und waren eher mobil (LG vs. OG 69,7 vs. 108,7 h). Auch der postoperative KH-Aufenthalt war mit 11,9 Tagen in der LG-Gruppe signifikant kürzer (vs. OG 16,3 d, p = 0,037). Die 30- und 90-Tages-Letalität war mit jeweils 0 und 2,2% identisch. Bei einem durchschnittlichen Follow-up von 59,1 Monaten (1 – 117 Monate) unterschieden sich das 3- und 5-Jahres-overall-Survival (OS) nicht (LG 75,6 und 64,6% vs. OG 68,9 und 64,6%, p = 0,446). Ebenfalls ohne Unterschied blieben das 3- und 5-Jahres-OS für nodal negative Patienten (LG 91,7 und 83,4% vs. OG 91,3 und 78,3%, p = 0,658) sowie nodal positive Patienten (LG 47,6 und 38,1% vs. OG 40,9 und 31,8%, p = 0,665).
Schlussfolgerung Auch unter westlichen Bedingungen ist die LG bei EGC und AGC sicher und komplikationsarm durchführbar. Patienten erholen sich postoperativ schneller und weisen ein gleichwertiges onkologisches Langzeitergebnis auf.
Schlüsselwörter
Magenkarzinom - laparoskopische Gastrektomie - D2 Dissektion