
Zusammenfassung
In der Gruppe der über 65-Jährigen ist die Hörminderung eines der häufigsten gesundheitlichen Probleme. Um die Kommunikationsfähigkeit in dieser Population
aufrecht zu erhalten, ist eine adäquate Hörgeräteversorgung essentiell. Das Ziel der vorliegenden Studie war die Überprüfung der Qualität der
Hörgeräteversorgung bei Senioren in Bezug auf die Wiederherstellung der Sprachdiskrimination. Weiterhin sollte der Einfluss des Alters und einiger kognitiver
Parameter auf das Sprachverstehen betrachtet werden. Es wurden 40 Probanden im Alter von 66 bis 88 Jahren mit ein- oder beidseitiger Hörgeräteversorgung
untersucht. Es wurde der gemittelte Hörverlust der Frequenzen 0,5–1-2–4 kHz und der gemittelte Hochton-Hörverlust bei den Frequenzen 2–4-6 kHz sowie das
maximale Einsilberverstehen (mEV) und das hörgeräteversorgte Sprachverstehen bei 65 dB betrachtet. Um mögliche kognitive Einflussfaktoren zu ermitteln, wurden
ein Demenzscreening-Verfahren (DemTect-Test) und ein Test zur Prüfung des Arbeitsgedächtnisses angewendet. Zwar zeigte sich ein Gewinn durch die
Hörgeräteversorgung in 82 % der untersuchten Fälle, die nach Hilfsmittelrichtlinie geforderte Verbesserung von mindestens 20 % gegenüber der unversorgten
Situation wurde jedoch in 56 % der Fälle nicht erreicht. Weiterhin wurde das individuelle mEV mit Abweichung von höchstens zehn Prozentpunkten von 81 % aller
Fälle nicht erreicht. Signifikante Korrelationen zwischen Zahlenfolgen-Merkspanne bzw. DemTect-Ergebnis und mEV konnten nicht festgestellt werden. Im
untersuchten Probandenkollektiv ergaben sich auch keine Hinweise für eine Abhängigkeit des Ergebnisses der Hörgeräteversorgung vom Lebensalter oder von (milder)
kognitiver Beeinträchtigung sowie reduzierter Arbeitsgedächtnisleistung.
Abstract
In the group of people over the age of 65, hearing loss is one of the most common health problems. To maintain communication skills in this population, adequate
hearing aid fitting is essential. The aim of the present study is to review the quality of hearing aid provision in the elderly. Furthermore, the influence of
age and cognitive performance on speech perception should be considered. Forty subjects between the ages of 66 and 88 years were examined with unilateral or
bilateral hearing aids. Average hearing loss (frequencies 0.5–1-2–4 kHz), averaged high-frequency hearing loss (frequencies 2–4-6 kHz), maximum monosyllable
recognition score (German: maximales Einsilberverstehen, mEV) and aided speech intelligibility at 65 dB HL speech level were considered. To determine the
potential cognitive impact on speech perception, a screening for dementia (DemTect test) and a working memory test were used. Although hearing aids showed
benefit in 82% of the reviewed cases, an improvement of at least 20% compared with the unaided condition as required by the German “Hilfsmittelrichtlinie” was
not achieved in 56% of the cases. Individual mEV with a maximum standard deviation of 10 % was not achieved in 81 % of the cases.
Correlations between working memory performance or DemTect-test score and mEV were not of significance. Mild cognitive impairment and degraded working memory or
age did not affect speech perception with hearing aids in our study cohort.
Schlüsselwörter
Hörgeräteversorgung - Senioren - kognitive Einflussfaktoren - Lebensalter - Presbyakusis
Key words
hearing aids - elderly - cognition - age - presbycusis