Prof. Dr. med Manfred Wildner
Der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges hat uns eine gewisse, angeblich
chinesische Enzyklopädie mit dem Namen „Himmlischer Warenschatz wohltätiger Erkenntnisse“
hinterlassen: „Auf ihren uralten Blättern steht geschrieben, dass die Tiere sich wie folgt unterteilen:
a) dem Kaiser gehörige, b) einbalsamierte, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen,
f) Fabeltiere, g) streunende Hunde, h) in diese Einteilung aufgenommene, i) die sich
wie toll gebärden, j) unzählbare, k) mit feinstem Kamelhaarpinsel gezeichnete, 1)
und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen
aussehen“ [1]. Es darf gelacht werden – sehen wir hier nicht einen klaren Hinweis auf die Notwendigkeit
„Künstlicher Intelligenz“ (KI), um endlich eine spektralreine, wirkliche „MECE“- Ordnung
(engl.für Mutually Exclusive, Combined Exhaustive) der Kategorien zu schaffen und die Begrenztheiten und Inkonsistenzen menschlichen
Denkens zu überwinden? Und belegen nicht die bis vor kurzem unvorstellbaren Rechenleistungen
der Computer eine grundsätzliche Überlegenheit der Maschinen, deren höhere Entwicklungsstufe
quasi evolutionär im Sinne des Transhumanismus durch die Biologie nur vorbereitet
wurde? Steht damit eine für die Mitte des 21. Jahrhunderts von Googles Technischem
Direktor Raymond Kurzweil vorhergesagte Singularität mit Auftreten einer transhumanen
Überintelligenz bevor? Als Belege werden gerne die in Spielen wie Schach (Computer „Deep Blue“, 1996), Jeopardy! (Programm „Watson“, 2011) oder GO (Programm „AlphaGo“, 2016) schon heute erreichten Siege von Hochleistungsrechnern
bzw. Programmen gegenüber den jeweiligen menschlichen Champions angeführt. Wird menschliche
Intelligenz in der KI ihren Meister finden?