Zusammenfassung
Die demografische Entwicklung in Deutschland führt zu einer Überalterung der Bevölkerung. Gerade bei diesen Patienten stellen die osteoporosebedingten Wirbelfrakturen einen deutlichen Einschnitt in das Leben und das Aktivitätsniveau dar. Nach aktueller Leitlinie stellt zunächst die konservative Behandlung der stabilen osteoporotischen Wirbelfraktur, bestehend aus analgetischen, antiosteoporotischen, physiotherapeutischen und orthetischen Maßnahmen die Therapie der ersten Wahl dar, aus eigener Erfahrung hingegen profitieren die Patienten von einer zeitnahen operativen Behandlung durch eine schnelle Verbesserung der Schmerzsituation und damit schnelleren Mobilisierung. Die schlechte Knochenqualität der betagten Patienten stellt den behandelnden Wirbelsäulenchirurgen vor die große Aufgabe, eine entsprechend stabile Spondylodese zu erzielen oder diese z. B. durch Augmentation weiter zu unterstützen. Hier haben sich in den letzten Jahren in zunehmenden Maße minimalinvasive Verfahren etablieren können. In Abhängigkeit vom Alter des Patienten und von der Frakturmorphologie haben wir bei über 1000 Frakturversorgungen in den letzten 3,5 Jahren ein differenziertes Behandlungskonzept entwickelt, das wir vorstellen möchten. Instabile Frakturen mit Beteiligung der Hinterkante werden dabei von dorsal mit einem Fixateur perkutan stabilisiert. Patienten über 60 Jahre werden perkutan mit einem polyaxialen Schraubensystem behandelt. Zur Erhöhung der Stabilität werden die fenestrierten Schrauben mit PMMA-Zement augmentiert. Beim älteren Patienten mit Magerl-A3-Frakturen ohne neurologisches Defizit wird der Indexwirbel ergänzend kyphoplastiert (Hybridversorgung). Bei frischen stabilen osteoporotischen Wirbelfrakturen mit starken Schmerzen trotz Analgetika führen wir eine Kyphoplastie durch, die mit kleineren Ballons und dünneren Arbeitstrokaren auch bei hoch thorakalen Frakturen bis Th III möglich ist. Eine Vertebroplastie stellt im LWS- und unteren BWS-Bereich ebenfalls eine Option dar. Ausgedehnte dorsoventrale Korrektureingriffe sind bei der häufig multimorbiden Patientengruppe aufgrund der Invasivität eher Ausnahmefällen vorbehalten.
Schlüsselwörter
Osteoporose - Wirbelsäulenchirurgie - Wirbelfraktur - Zementaugmentation - perkutane Stabilisierung