Z Orthop Unfall 2019; 157(06): 695-705
DOI: 10.1055/a-0853-8009
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Orthesenversorgung in Anlehnung an das Ferrari-Konzept bei Kindern und Erwachsenen mit Meningomyelozele

Article in several languages: English | deutsch
Tim Schmid
1   Department of Orthopaedics, Friedrich-Alexander-University Erlangen-Nürnberg (FAU), Medical Faculty, Erlangen
,
Elisabeth Strehl
2   Department of Paediatrics, Social Paediatric Centre, Friedrich-Alexander-University Erlangen-Nürnberg (FAU), Medical Faculty, Erlangen
,
Regina Trollmann
2   Department of Paediatrics, Social Paediatric Centre, Friedrich-Alexander-University Erlangen-Nürnberg (FAU), Medical Faculty, Erlangen
,
Raimund Forst
1   Department of Orthopaedics, Friedrich-Alexander-University Erlangen-Nürnberg (FAU), Medical Faculty, Erlangen
,
Albert Fujak
1   Department of Orthopaedics, Friedrich-Alexander-University Erlangen-Nürnberg (FAU), Medical Faculty, Erlangen
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Publication History

Publication Date:
10 July 2019 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Die Meningomyelozele (MMC) ist eine angeborene Verschlussstörung des Neuralrohrs. Die klinischen Symptome sind sehr weitreichend, mild bis schwerwiegend ausgeprägt, je nach Höhe des Defektes. In Abhängigkeit von der Höhe des Lähmungsniveaus sind die Patienten auf orthopädietechnische Hilfsmittel und Orthesen angewiesen. Das Ziel dieser Studie war die Überprüfung der praktischen Umsetzung eines Orthesenkonzeptes in Anlehnung an Ferrari bei Kindern und Erwachsenen im eigenen Patientenkollektiv.

Patienten und Methoden Die retrospektive Studie umfasst Daten aus Krankenakten von 180 Patienten (97 männlich) im durchschnittlichen Alter von 19,44 Jahren (3 – 52, SD 9,3) zum Zeitpunkt der Untersuchung. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 15,34 Jahre (1 – 38, SD 8,96). Ausgewertet wurden Daten über Deformitäten der Wirbelsäule und der unteren Extremitäten, Shuntversorgung des Hydrozephalus, Orthesenversorgung und Mobilität der Patienten.

Ergebnisse Die überwiegende Zahl der Patienten wurde frühzeitig und konsequent mit Orthesen therapiert. Das Orthesenkonzept in Anlehnung an Ferrari ließ sich in unserem Patientenkollektiv bei 58,9% der Patienten bei der dynamischen Orthesenversorgung umsetzen, wobei das Ergebnis bei hochlumbalen Läsionen schlechter war als bei tieferen Lähmungsniveaus. Zudem fiel eine Abnahme der Mobilität der Betroffenen mit zunehmendem Alter auf. Im Erwachsenenalter lag die Rate der Gehfähigkeit bei 42,3% der Patienten mit entsprechenden Unterschieden in Relation zum Lähmungsniveau.

Schlussfolgerung In Anbetracht der Komplexität des Krankheitsbildes, der Heterogenität der klinischen Ausprägung und der somit individuell zu adaptierenden orthopädietechnischen Versorgung ist das Ergebnis der Umsetzung des Orthesenkonzeptes als positiv zu bewerten. Ein vordringlicher Bedarf an individuellen Konzepten und Weiterentwicklungen zur Verbesserung der Mobilität besteht insbesondere für Patienten mit thorakalen und hochlumbalen Läsionshöhen. Eine Intensivierung der Patienteninformationen zu orthetischen Therapieoptionen und deren Konsequenzen für die Prophylaxe und Behandlung von primären und sekundären Kontrakturen und Verbesserung der Lebensqualität stellt eine wichtige Aufgabe der interdisziplinären Langzeitbetreuung dieser Patienten dar.