Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2020; 55(05): 300-313
DOI: 10.1055/a-0903-1767
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Arzneimittelinteraktionen in der Intensivmedizin

Drug-drug Interactions in Intensive Care
Andreas Drust
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Publication Date:
20 May 2020 (online)

Zusammenfassung

Arzneimittelinteraktionen sind auf Intensivstationen ein häufiges Problem. Dabei spielt die Gesamtmenge der verschriebenen Medikamente bei kritisch kranken Patienten eine große Rolle: Durchschnittlich werden hier 25 – 35 Medikamente pro Patient eingesetzt. Fundierte Kenntnisse über entsprechende pharmakodynamische und pharmakokinetische Mechanismen sind für die Behandlungssicherheit daher essenziell.

Abstract

Drug-drug interactions are common problems in intensive care units. Numerous studies could demonstrate the impact of the total amount of prescribed drugs and the occurrence of potential respectively manifest drug-drug interactions in critically ill patients. The average number of clinically used drugs in this setting is approximately 25 – 35 per patient, thus the profound knowledge of pharmacodynamic and pharmakokinetic mechanisms regarding drug interplay is important for treatment safety. This review aims to summarize the current evidence of drug interactions in intensive care patients. It especially features data regarding pharmacokinetics as main reason for clinically relevant drug-drug interactions. The most important drug classes noted in this context are analgesics and sedatives, antibiotics, antimycotics, antiepileptics, immune suppressive drugs, prokinetics and gastric acid regulating drugs. Furthermore, some pharmacodynamic interactions are described like QTc prolongation or serotonin syndrome. Additionally, a clinical case is demonstrated regarding the malignant impact of rifampin co-medication in a patient suffering from severe hypertension with the use of several antihypertensive drugs.

Kernaussagen
  • Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Arzneimittelwechselwirkungen hängt von der Anzahl der verordneten Arzneimittel ab.

  • Es muss prinzipiell zwischen potenziellen und manifesten Arzneimittelinteraktionen unterschieden werden. Die klinisch tatsächlich auftretenden Wechselwirkungen sind deutlich seltener als die potenziell möglichen.

  • Pharmakokinetische Interaktionen spielen in der Intensivmedizin die größte Rolle und sind systematisch gut einteilbar.

  • CYP3A4 ist das Cytochrom mit dem breitesten Biotransformationsspektrum und stellt neben dem p-Glykoprotein die wichtigste Ursache für pharmakokinetische Arzneimittelwechselwirkungen dar.

  • Wechselwirkungen mit Einfluss auf die Plasmaspiegel von Opioiden und Sedativa können durch standardmäßiges Monitoring von Analgesie und Sedierung auf Intensivstationen schnell erkannt werden.

  • Die häufig eingesetzten Betalaktamantibiotika gelten als eher wenig anfällig für relevante unerwünschte Arzneimittelwechselwirkungen.

  • Azolantimykotika sind starke Cytochrominhibitoren mit breitem Interaktionsspektrum.

  • Das Interaktionspotenzial von Phenytoin und Rifampicin gilt in der Intensivmedizin als schwerwiegend.