Klin Monbl Augenheilkd 2021; 238(09): 1021-1028
DOI: 10.1055/a-1079-3256
Klinische Studie

Vergleich zweier Schnitttechniken zur Eröffnung der Bindehaut bei Augenmuskeloperationen: Analyse des Krankengutes der Jahre 2008, 2010 – 2014

Artikel in mehreren Sprachen: English | deutsch
Svenja Froelich
1   Universitätsklinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Halle (Saale), Deutschland
,
Arne Viestenz
1   Universitätsklinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Halle (Saale), Deutschland
,
Timm Bredehorn-Mayr
2   Augenheilkunde, Augenarztpraxis Bredehorn-Mayr, Aschersleben, Deutschland
› Institutsangaben

Zusammenfassung

Hintergrund Bis 2010 wurde am Universitätsklinikum Halle bei Strabismusoperationen zur Eröffnung der Konjunktiva der Türflügelschnitt angewendet, erstbeschrieben von Harms 1949. Im Jahr 2010 erfolgte die Umstellung auf eine modifizierte radiäre Schnitttechnik, angelehnt an den Fornixschnitt nach Parks und der MISS-Technik (MISS: „minimally invasive strabismus surgery“) nach D. S. Mojon. Die Indikation besteht in der Reduktion der Komplikationen und Schonung der Konjunktiva.

Patienten/Material und Methoden Es erfolgte eine retrospektive Analyse aus den Jahren 2008, 2010 bis März 2014. Insgesamt wurden 258 Patienten in die Arbeit aufgenommen. Davon wurden 109 Patienten mit Türflügelschnitt und 149 Patienten mit radiärem Schnitt operiert. Folgende Aspekte wurden zum Vergleich herangezogen: mittelfristige Schielwinkelkontrolle nach 3 Monaten, intra- und postoperative Komplikationsrate, Operationsdauer. Ein Fragebogen sollte eruieren, warum Patienten das Angebot der Nachsorge nicht wahrnahmen und wie zufrieden sie waren. Zum Vergleich von binären Variablen wurde der Chi-Quadrat-Test und von Mittelwerten der ungepaarte t-Test genutzt mit einem Signifikanzniveau von 0,05.

Ergebnisse Die Ergebnisse der postoperativen Schielwinkel waren sowohl untereinander als auch mit Fachliteratur vergleichbar. Ebenso blieben die Anteile der Komplikationen bei beiden Techniken niedrig. Die Dauer der Operation war unter dem radiären Schnitt verlängert. Während die Gründe für das Nichtwahrnehmen der Nachkontrolle vielfältig waren, war die Zufriedenheit dieser Patienten unabhängig von der Schnitttechnik hoch.

Schlussfolgerung Die Türflügelschnitttechnik war eine gut erprobte Methode zur Eröffnung der Bindehaut. Nach der Umstellung auf den radiären Schnitt bestand zu keiner Zeit ein negativer Einfluss auf das Operationsergebnis oder die Komplikationsrate. Die Operationsdauer unter radiärem Schnitt war verlängert. Eine Überlegenheit der neuen Schnitttechnik konnte nicht gezeigt werden. Sie kann jedoch eine Alternative darstellen, da sie die Bindehaut schont und spätere Glaukomoperationen ermöglicht.



Publikationsverlauf

Eingereicht: 08. Dezember 2019

Angenommen: 08. März 2021

Artikel online veröffentlicht:
09. Juli 2021

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