Zusammenfassung
Verletzungen der ischiokruralen Muskulatur umfassen ein breites Spektrum an
Verletzungsformen und betreffen vor allem Sportler mit hoher exzentrischer
Belastung (Fußball, Leichtathletik, Rugby, Klettern). Insbesondere unerkannte
traumatische Rupturen können laut der aktuellen Studienlage dauerhafte
Beschwerden verursachen und bei verzögerter chirurgischer Therapie mit einem
schlechteren postoperativen Outcome assoziiert sein. Heterotope Ossifikationen
(HO) nach Hamstring-Ruptur wurden bisher in einzelnen Fallberichten und
kleineren Studien beschrieben. Heterotope Ossifikationen sind vor allem bei
Eingriffen an der Hüfte und bei Frakturen im Ellenbogenbereich bekannt. In
dieser Fallvorstellung wurde ein 48-jähriger Patient aufgrund einer zunehmenden
Schwellung mit Verhärtung im Bereich des rechten Tuber ischiadicum vorstellig.
Ein Anpralltrauma vor einem Jahr war der Grund für eine traumatisch bedingte
Hamstring-Ruptur, die zunächst verzögert diagnostiziert wurde. Es erfolgte die
Exzision der HO und die Refixation der Sehne mithilfe von 2 Fadenankern. Durch
eine Bewegungslimitierung mittels Hüft-Knie-Orthese für 9 Wochen zeigte sich ein
regelrechter postoperativer Heilverlauf. Über HO nach Hamstring-Rupturen wurde
immer wieder berichtet, aber bisher in keiner größeren Studie evaluiert. Zu
überdenken wäre daher, ob bei konservativ und operativ behandelten
Hamstring-Rupturen eine Prophylaxe mit NSAR analog der Ossifikationsprophylaxe
bei Hüftendoprothesen oder Frakturen im Ellenbogenbereich erfolgen sollte.
Schlüsselwörter
Ruptur - Verletzung - heterotope Ossifikation - NSAR - ischiokrurale Muskulatur