Zusammenfassung
Ziel Ziel dieser Literaturübersicht ist es das fasziale Netzwerk im Zusammenhang mit der
Entstehung von Rückenschmerzen zu betrachten, mögliche Einflussfaktoren zu analysieren
und diagnostische Möglichkeiten aufzuzeigen, mit denen Veränderungen in faszialen
Strukturen bei Rückenschmerzpatienten verdeutlicht werden können.
Methode Es wurde eine Literaturrecherche mit den Schlagworten Faszien, Sensomotorik, unspezifischer
Rückenschmerz, creep, Schmerz und Diagnostik durchgeführt. Von etwa 400 Artikeln wurden
die Abstracts gesichtet, etwa 150 wurden gelesen und ausgewertet. Am Ende flossen
86 Artikel in die Erstellung dieses narrativen Reviews ein.
Ergebnis Faszien können sich aufgrund der enthaltenen Fasern gut an eine Zugbelastung anpassen.
Ab einer Dehnung der Fasern zwischen 3–8% kommt es zu ersten irreversiblen Gewebeveränderungen,
die einen Beitrag zu unspezifischen Rückenschmerzen leisten können (creep-Effekt).
Durch Mikroverletzungen können die in den Faszien enthaltenen Fibroblasten aktiviert
werden und die Steifigkeit der Faszien erhöhen, was den möglichen Bewegungsradius
einschränken kann und die Faszienvorspannung erhöht. Somit sinkt die Toleranz auf
eine angelegte Zugspannung. Durch die Ultraschallelastografie ist die reduzierte Beweglichkeit
in den Faserschichten der Faszien zu erkennen. Außerdem spielen Faszien durch ihre
starke Innervation bei der Propriozeption, Exterozeption, Interozeption und Nozizeption
eine maßgebliche Rolle.
Schlussfolgerung Ob das fasziale Netzwerk mit der Entstehung von unspezifischen Rückenschmerzen in
Verbindung steht, kann aufgrund der derzeit immer noch lückenhaften Erkenntnisse über
die funktionellen Zusammenhänge noch nicht geklärt werden. Außerdem stehen noch keine
diagnostischen Mittel zur Verfügung, die die Funktionalität der Faszien sicher bewerten
können. Dennoch sollten die Faszien als sensomotorisches Netzwerk verstanden werden,
das in seiner Komplexität mit allen Strukturen des menschlichen Körpers wechselwirkt
und somit einen Einfluss auf Rückenschmerzen haben kann.
Abstract
Aim The aim of this literature review was to examine the fascial network in connection
with the development of back pain, to analyse possible influencing factors and to
show diagnostic possibilities.
Method A literature review was conducted using the keywords fascia, sensorimotor function,
non-specific back pain, creep, pain and diagnostics. Abstracts of about 400 articles
were reviewed, about 150 were read and evaluated. Finally, 86 articles were included
for this narrative review.
Result Fasciae can adapt well to tensile stress due to the fibres contained, but irreversible
tissue changes begin to occur if the fibres are stretched about 3–8%, which can contribute
to unspecific back pain (creep effect). Micro-injuries can activate the fibroblasts
of the fascia and increase its stiffness, limiting the possible range of movement
and increase the fascial pre-tension. This reduces the tolerance to an applied tensile
stress. The reduced mobility in the fibrous layers of the fasciae can be detected
by ultrasonic elastography. In addition, fasciae play a decisive role in proprioception,
exteroception, interoception and nociception due to their dense innervation.
Conclusion Whether the fascial network interrelates with the development of unspecific back
pain cannot yet be clarified due to the currently still incomplete knowledge about
the functional connections. In addition, no diagnostic tools are yet available that
can reliably evaluate the functionality of the fascia. Nevertheless, fascia should
be understood as a sensorimotor network which, in its complexity, interacts with all
structures of the human body and can therefore have an influence on back pain.
Schlüsselwörter
Faszien - Sensomotorik - unspezifischer Rückenschmerz - creep - Schmerz - Diagnostik
Key words
Fascia - sensorimotor system - non-specific back pain - creep - pain - diagnostics