Zusammenfassung
Einleitung Mit der neuen Methode der Oximetrie kann nicht invasiv die Sauerstoffsättigung (SO2) in den retinalen Gefäßen gemessen werden. Es ist bekannt, dass bei der
diabetischen Retinopathie die Sauerstoffextraktion verringert ist. In der vorgelegten Querschnittsstudie wurde untersucht, ob diabetesspezifische Veränderungen und typische
Begleiterkrankungen die Messwerte bei der Oximetrie verändern können.
Methodik 237 Diabetespatienten wurden eingeschlossen, die zu einer Behandlung mit intravitrealen Injektionen (IVOM) in unsere Klinik kamen. Ausgewertet werden konnten 203 Augen von
203 Patienten. Die SO2 in den retinalen Gefäßen wurde gemessen an digital gespeicherten Aufnahmen einer Funduskamera (Zeiss 450 FF), deren Beleuchtungsstrahlengang mit einem
Filter mit 2 Durchlassmaxima bei 548 nm und bei 610 nm (Bandbreite 10 nm) versehen war. Mit dem Programm „Oximetrie“ (Imedos Systems, Jena) wurden die arterielle und die venöse
Sauerstoffsättigung in Arteriolen und Venolen gemessen und in einer Excel-Tabelle ausgegeben. Diabetesbezogene anamnestische Daten, klinische Parameter und Begleiterkrankungen wurden in
einem festgelegten Schema dokumentiert.
Ergebnisse Im gesamten Patientenkollektiv war die venöse Sauerstoffsättigung (vSO2) 69 ± 12%, die arterielle Sauerstoffsättigung (aSO2) 99 ± 5% und die
arteriovenöse Differenz 31 ± 9%. Ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Alter, Diabetesdauer und HbA1c mit den Oximetriewerten konnte nicht gefunden werden
(Kruskal-Wallis ANOVA: p > 0,05). Untersucht wurden die Differenzen zwischen den Merkmalsträgern (MT) und Nichtmerkmalsträgern (NMT). Hier zeigten sich signifikante Unterschiede der
vSO2 in % für: Allergien n = 47: MT vs. NMT: 64 vs. 69 (t-Test: p < 0,002); Sartan-Therapie n = 46: MT vs. NMT: 64 vs. 70 (p = 0,003). Zustand nach IVOM n = 144: MT vs. NMT:
68 vs. 71 (p = 0,02). Bei Patienten mit durchgeführten IVOM im Rahmen einer diabetischen Makulopathie verbessert sich somit die Sauerstoffextraktion aus den Netzhautgefäßen. Bei Allergikern
und bei Hypertoniepatienten unter einer Sartan-Therapie konnte dies ebenfalls gezeigt werden.
Schlussfolgerung Die klinisch beobachtete Besserung der Netzhautsituation nach intravitrealen Injektionen mit VEGF-Hemmern kann im Zusammenhang stehen mit einer verbesserten
Sauerstoffextraktion aus den Netzhautgefäßen. Es erscheint sinnvoll zu prüfen, ob bei Diabetespatienten in der Hypertoniebehandlung die Umstellung auf Sartane die Netzhautfunktion verbessern
kann.
Schlüsselwörter
Retina - Diabetes mellitus - Oximetrie - Sartane - VEGF-Hemmer - Allergie