Zusammenfassung
Für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland spielen die
Einrichtungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes auf der Ebene der
Kommunen, der Länder und des Bundes eine zentrale Rolle. Zur
Bewältigung der vielfältigen praktischen Aufgaben des
Gesundheitsschutzes, der Krankheitsvermeidung und Gesundheitsförderung
nach rechtlichen Vorgaben arbeiten Mitarbeitende mit unterschiedlichen
Kompetenzen zusammen und tragen zur sozialen Kohärenz bei. Die
bundesweite Personalausstattung wird nicht empirisch erhoben. Unterschiedliche
Akteure kolportieren seit Jahren eine abnehmende Zahl an
Fachärzten/innen und damit verbundene
Qualitätseinschränkungen. Ziel dieser Untersuchung ist, den
Rückgang an Fachärzten/innen für das
Öffentliche Gesundheitswesen zu quantifizieren und regionale Trends
darzustellen. Regelmäßig erhobene und frei verfügbare
Daten zu den in dem Zeitraum von 1998 bis 2018 in Deutschland registrierten
Ärzte/innen wurden deskriptiv analysiert, in Bezug auf
Entwicklungen der Zahl an Fachärzte/innen in Deutschland, in den
Landesärztekammer Regionen, nach Facharztgebieten und Alter.
Während die Anzahl der Fachärzte/innen in Deutschland
insgesamt kontinuierlich steigt (52%), bleibt die Zahl derer, die in
Behörden, Körperschaften u. a. tätig sind mit
2% relativ konstant. Dagegen hat die Zahl der in Behörden und
Körperschaften tätigen Fachärzte/innen
für Öffentliches Gesundheitswesen in den letzten 20 Jahren um
fast 30% abgenommen. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in allen
Regionen, mit zum Teil noch größeren regionalen Abnahmen. Bayern
ist die einzige Region mit einer gegensätzlichen Entwicklung.
Für Fachärzte/innen für Öffentliches
Gesundheitswesen gibt es nahezu kaum Nachwuchs und Überalterung in
diesem Facharztgebiet nimmt zu. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen
fachärztlicher Qualifikationen im Öffentlichen Gesundheitsdienst
muss eine ausreichend fachärztliche Bearbeitung hoheitlicher und anderer
für die Bevölkerungsmedizin relevanter Aufgaben in Frage
gestellt werden. Diese Entwicklungen bedrohen die Bevölkerungsgesundheit
im Allgemeinen, die öffentliche Sorge um vulnerable
Bevölkerungsgruppen im Speziellen und letztendlich den funktionierenden
demokratischen Sozialstaat.
Abstract
The institutions of the Public Health Service at the level of the federal
government, the states and the local authorities play a central role in public
health in Germany. To manage the many practical tasks of health protection,
disease prevention and health promotion in accordance with legal requirements,
employees with different skills work together and contribute to social
coherence. There are no empirical data on nationwide staffing levels. For years,
different actors have been reporting a decreasing number of public health
consultants and associated quality of public health work. The aim of this study
was to quantify the public health consultant decline and to present regional
trends. Regularly collected and freely available data on medical consultants
registered in Germany from 1998 to 2018 were descriptively analysed with regard
to developments in the number of consultants in Germany, in the regions of the
Medical Associations, by specialty and age. While the total number of medical
consultants in Germany has continuously increased (52%), the number of
those working in administrative positions, public corporate bodies, etc. has
remained relatively constant at 2%. In contrast, the number of public
health consultants working in administrative offices, public corporate bodies,
etc. over the last 20 years has decreased by almost 30%. Similar
developments can be seen in all regions, with some even larger decreases in some
regions. Bavaria is the only region with a contrasting development. There is
almost no new generation of public health consultants and the number of older
consultants in this field is increasing. Against this background, the
availability of a sufficient number of qualified professionals to manage
administrative and other tasks relevant to population medicine must be
questioned. These developments threaten public health in general, public concern
for vulnerable population groups in particular, and ultimately the functioning
of the democratic welfare state.
Schlüsselwörter Öffentlicher Gesundheitsdienst - Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen - Gesundheitsamt - Amtsarzt - Public Health - Bevölkerungsmedizin
Key words Public Health Services - Consultant Public Health - Public Health Office - Public Health Authority