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DOI: 10.1055/a-1921-6038
Gefahren durch kaltes Wasser

Vorbemerkung
Zur Aus- und Fortbildung der Seenotretter wurde bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ein Merkblatt zu den allgemeinen Gefahren kalten Wassers entwickelt. Die DGzRS ist zuständig für den Such- und Rettungsdienst auf Nord- und Ostsee. Mehr als 1000 Seenotretter sind auf 60 Rettungseinheiten Jahr für Jahr rund 2000 Mal im Einsatz – rund um die Uhr, bei jedem Wetter, finanziert ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen. Seit der Gründung 1865 hat die DGzRS rund 86000 Menschen aus Seenot gerettet oder aus Gefahr befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident. Grundlage des genannten Merkblattes war eine Vortragsserie zum gleichen Thema. Zum besseren Verständnis werden hier Hintergrundinformationen ausführlich dargelegt.
Die Darlegungen/Herleitungen und Zeitangaben beziehen sich auf einen Sturz in kaltes Wasser, der unfallbedingt, d. h. plötzlich, unvorhergesehen, ohne mentale Vorbereitung wie zum Beispiel beim Eiswasserschwimmen erfolgt und ohne dass Schutzbekleidung oder eine Rettungsweste getragen wird. In jeder Phase kann es zu einem Ertrinkungsunfall bis hin zum Ertrinkungstod kommen.
Nach internationaler Übereinkunft spricht man von kaltem Wasser ab einer Temperatur < 15 °C und bei < 10 °C von sehr kaltem Wasser.
Die Möglichkeit, nach einem Sturz in kaltes Wasser zu ertrinken, schätzen Experten [1] auf 10% und höher! Und das ist unabhängig von Alter, Fitness- oder Ernährungszustand. Dabei entfallen 50% auf die ersten beiden Phasen, 30% betreffen die Hypothermie und 20% den Rettungskollaps [2]. Damit tritt die Bedeutung der Hypothermie für den tödlichen Verlauf nach Sturz in kaltes Wasser etwas in den Hintergrund.
Die angegebenen Zeiten sind durch Versuche und Analysen von Unglücksfällen gut belegt, dennoch bleiben sie Schätzungen. Sie grenzen zwar den Rahmen für die Zeitabläufe der beschriebenen Phasen und Stadien ab, aber es gibt deutliche Unterschiede in den körperlichen Reaktionen zwischen einzelnen Individuen [Abb. 1].
Publication History
Article published online:
11 April 2023
© 2023. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Tipton MJ.. Persönliche Mitteilung
- 2 Golden F, Tipton MJ. Essentials of Sea Survival. Champaign: Human Kinetics; 2002
- 3 Shattock MJ, Tipton MJ. ‘Autonomic conflict’: a different way to die during cold water immersion?. J Physiol 2012; 590: 3219-3230
- 4 Faerevik H, Reinertsen RE, Giesbrecht GG. Leg exercise and core cooling in an insulated immersion suit under severe environmental conditions. Aviat Space Environ Med 2010; 81: 993-1001
- 5 International Maritime Organization. Pocket Guide For Cold Water Survival. 4. London: International Maritime Organization; 2012
- 6 Musi ME, Sheets A, Zafren K. et al. Clinical staging of accidental hypothermia: The Revised Swiss System: Recommendation of the International Commission for Mountain Emergency Medicine (ICAR MedCom). Resuscitation 2021; 162: 182-187
- 7 Brown DJA, Brugger H, Boyd J. et al. Accidental hypothermia. N Engl J Med 2012; 367: 1930-1938
- 8 Giesbrecht GG. “Cold Card” to Guide Responders in the Assessment and Care of Cold-Exposed Patients. Wilderness Environ Med 2018; 29: 499-503
- 9 Dow J, Giesbrecht GG, Danzl DF. et al. Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update. Wilderness Environ Med 2019; 30: S47-S69
- 10 Giesbrecht GG, Wilkerson J. Hypothermia, Frostbite and other Cold Injuries: Prevention, Survival, Rescue, and Treatment. 2. Seattle, Wah.: Mountaineers Books; 2006