Zusammenfassung
Ziel der Studie Die erste COVID-19-Pandemiewelle
(März–April 2020) hat die hausärztliche Versorgung vor
große Herausforderungen gestellt. Ziel der Studie war es zu untersuchen,
wie belastend HausärztInnen die Krisensituation zu Pandemiebeginn und im
weiteren Pandemieverlauf erlebt haben. Zusätzlich sollten
prädiktive Faktoren für das Überforderungsgefühl
identifiziert werden.
Methode Von August bis Oktober 2020 erfolgte eine Querschnittsbefragung
von Hausarztpraxen in vier Bundesländern zur Versorgungsrealität
sowie zu psychischen Belastungen im Rahmen der Coronapandemie. Insgesamt 6300
zufällig ausgewählte HausärztInnen wurden
angeschrieben.
Ergebnisse Die Rücklaufquote betrug 23%. 46% der
Teilnehmenden waren weiblich. 40% der Teilnehmenden gaben an, zu Beginn
der Pandemie unter einem großen oder sehr großen
Überforderungsgefühl gelitten zu haben, zum Befragungszeitpunkt
äußerten dies nur noch 10%. Mit steigender Anzahl der
COVID-19-PatientInnen nahm das Gefühl der Überforderung zu;
gleichzeitig stieg auch die selbst eingeschätzte Kompetenz,
COVID-19-PatientInnen zu versorgen. Unter anderem trugen eine hohe psychische
Belastung, hoher Organisationsaufwand, eine schlechte
selbsteingeschätzte Kompetenz bei der Versorgung von
COVID-19-PatientInnen und mangelnde Versorgung mit Schutzausrüstung zum
Überforderungserleben der HausärztInnen bei.
Schlussfolgerung Trotz anfänglicher Überforderung
fühlten sich HausärztInnen zunehmend kompetent in der Versorgung
von COVID-19-PatientInnen. Um HausärztInnen in Krisensituationen
zukünftig besser zu unterstützen, sollten organisatorische
Tätigkeiten möglichst vereinfacht werden, um das Augenmerk auf
die PatientInnenversorgung legen zu können.
Abstract
Background and Objectives The first wave of the COVID-19 pandemic (Mar-Apr
2020) posed significant challenges for primary care. The goal of this study was
to analyse the burden of the crisis situation as experienced by the general
practitioners (GPs) at its beginning and over the course of the pandemic and to
identify factors predictive of the sense of being overburdened.
Methods In this cross-sectional study, a total of 6300 randomly selected
GPs in four federal states of Germany were contacted per post in order to survey
changes in health care they provided and their psychological burden in the
context of the pandemic between August and October 2020.
Results The response rate was 23%; 46% of the participants
were female. At the beginning of the pandemic, 40% of the participants
experienced a high or a very high level of being overburdened; later on, it was
only 10%. With increasing numbers of COVID patients, the sense of being
overburdened increased, as also their perceived capability to care for COVID
patients. Predictors of a sense of being overburdened were, among others, a high
level of psychological stress, excessive organising efforts, poor capability to
care for COVID patients, and scarce supply of protective equipment.
Conclusion Despite a sense of being overburdened initially, GPs felt
increasingly capable of caring for COVID patients. To help GPs in future crisis
situations like this pandemic, organization of care should be simplified to the
extent possible so that they can focus on patient care.
Key words
COVID-19 - Hausärztliche Versorgung - Pandemiebewältigung - Überforderungsgefühl
Key words
COVID-19 - primary care - pandemic response - sense of overburden