Open Access
CC BY-NC-ND 4.0 · Gesundheitswesen 2025; 87(S 03): S291-S298
DOI: 10.1055/a-2512-9269
Original Article

Einfluss von verschiedenen Fraktionierungsschemata in der Strahlentherapie des Prostatakarzinoms auf Transportkosten und Umweltbelastung

Artikel in mehreren Sprachen: English | deutsch

Autor*innen

  • Georg W Wurschi#

    1   Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Jena, Jena, Germany
    2   Clinician Scientist Programm, Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Forschung, Universitätsklinikum Jena, Jena, Germany
  • Maximilian Graf#

    1   Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Jena, Jena, Germany
  • Steffen Weimann

    1   Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Jena, Jena, Germany
  • Matthias Mäurer

    1   Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Jena, Jena, Germany
    2   Clinician Scientist Programm, Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Forschung, Universitätsklinikum Jena, Jena, Germany
  • Christoph Straube

    3   Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, Landshut Hospital Group, Landshut, Germany
    4   Klinik und Poliklinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie, Technische Universität München Fakultät für Medizin, München, Germany
  • Daniel Medenwald

    5   Klinik für Strahlentherapie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Medizinische Fakultät, Magdeburg, Germany
    6   Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Halle, Halle, Germany
  • Justus Domschikowski

    7   Klinik für Strahlentherapie, University Hospital Schleswig-Holstein – Campus Kiel, Kiel, Germany
  • Marc Münter

    8   Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Germany
  • Klaus Pietschmann

    1   Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Jena, Jena, Germany

Zusammenfassung

Hintergrund

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und eine Verbesserung der Nachhaltigkeit ist im Gesundheitswesen in Zeiten des Klimawandels, der Energiewende, einer alternden Bevölkerung und explodierenden sozialen Kosten immer relevanter geworden. In der Strahlentherapie ist die Auswahl eines adäquaten Fraktionierungsschemas von grundlegender Bedeutung. Wir haben drei international etablierte Schemata für die definitive Radiotherapie des Prostatakarzinoms (RT) in Bezug auf ihre ökologischen und gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen bewertet.

Material und Methoden

Von 109 Patienten mit Prostatakrebs, die 2022 eine ambulante RT am Universitätsklinikum Jena erhielten, wurde die Fahrtstrecke während der Behandlung aus Kartendaten ermittelt. Hieraus wurden Transportkosten zu Lasten der Krankenkassen und die entstandene Kohlendioxid-Emissionen (CO2) für die normofraktionierte RT (39 Fraktionen, A) sowie für moderne Therapieschemata, die moderat hypofraktionierte RT (20 Fraktionen, B) und die ultrahypofraktionierte RT (5 Fraktionen, C), berechnet.

Ergebnisse

Entfernungen von 1616 km (A), 848 km (B) und 242 km (C) mit entsprechenden Kosten von 638 € (C) bis 4255 € (A) wurden ermittelt Die Transportkosten entsprachen 44% der gesamten Behandlungskosten (9604 €) bei normofraktionierter RT. Durch Hypofraktionierung ließen sich die Fahrtstrecke, die CO2-Emissionen und die Transportkosten um bis zu 85% reduzieren. Entsprechend des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) von 2024 würden für medizinische Behandlung und Fahrtkosten insgesamt 9604 € berechnet werden. Die Fahrtkosten entsprechen dabei 44% der gesamten Behandlungskosten.

Schlussfolgerung

Die (Ultra-)hypofraktionierte Strahlentherapie für Prostatakrebs hat ein großes Potenzial, die Umwelt zu schützen und die Behandlungskosten zu senken. In Anbetracht dessen und der onkologischen Nicht-unterlegenheit sollte die (Ultra-)Hypofraktionierung aus Patienten- und Krankenkassensicht als bevorzugte Behandlung erscheinen. Nichtsdestotrotz ist die normofraktionierte RT weiterhin Standard in der Krankenversorgung in Deutschland. Die notwendige Präzision in der Dosisapplikation führt bei der Ultrahypofraktionierung zu gesteigertem technischem und personellem Aufwand, der im aktuellen Abrechnungssystem unzureichend abgebildet wird. Dies könnte die flächendeckende Etablierung der Ultrahypofraktionierung in Deutschland ausbremsen.

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Publikationsverlauf

Eingereicht: 23. Juli 2024

Angenommen nach Revision: 13. Dezember 2024

Artikel online veröffentlicht:
05. März 2025

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