Subscribe to RSS
DOI: 10.1055/s-0028-1119102
© Georg Thieme Verlag, Stuttgart
Zur Prognose der nephrotischen Betriebsstörungen der Niere
Publication History
Publication Date:
03 June 2009 (online)

Zusammenfassung
Das nephrotische Syndrom finden wir 1. bei der echten Nephrose, 2. bei der Pseudonephrose (Kombinationsform von Nephrose + Glom. nephritis).
Die nephrotischen Störungen können sich zurückbilden, sobald die schädigende Ursache aufhört. Dies ist selbst bei längerer Dauer und bei noch so schwerem Krankheitsbild möglich. Die beste Voraussetzung hierfür ist die Beseitigung der „Giftquelle”. Aber auch bei den „genuinen” Nephrosen tritt oft Heilung ein, und zwar werden wir, wie in einem. näher geschilderten Fall gezeigt werden, konnte, davon überrascht. Man soll daher bei den Nephrosen mit einer absolut ungünstigen Vorhersage sehr zurückhaltend sein und diese nicht eher stellen, als bis wir den Übergang in die nephrotische oder amyloidotische Schrumpfniere als sicher annehmen können. Beides sind seltene Vorkommnisse. Der Nephrotiker schwebt allerdings bei seiner leichten Anfälligkeit für Infektionen immer in einer gewissen Gefahr; dies muß man schließlich auch bei seiner Prognosestellung berücksichtigen.
Bei den Pseudonephrosen ist die Vorhersage weniger günstig, weil oft nach Ausheilung der nephrotischen Störung das Fortbestehen der Nephritis und der Übergang in das Stadium der Niereninsuffizienz zur Stellung einer höchst ungünstigen Prognose Veranlassung gibt. Im Gegensatz zur nephrotischen Störung, die noch nach Jahren wieder restlos ausheilen kann, ist dies bei der Nephritis nicht möglich. Dauert nämlich die Durchblutungsstörung zu lange, ist sie nicht mehr reversibel. Einen wichtigen Hinweis gibt uns das Verhalten des Blutdrucks als Maßstab für eine bestehende Durchblutungssperre der Niere. Je länger die Hypertonie besteht, um so ungünstiger wird die Prognose. Wir sahen beispielsweise bei über 1 Jahr lang bestehender Blutdrucksteigerung noch Ausheilung eintreten, möchten dies allerdings doch als die oberste Grenze ansehen. Trotz der allgemein schlechteren Prognose der Pseudonephrosen soll man mit seinem Urteil vorsichtig sein und erst auf Grund einer längeren Beobachtungszeit seine Vorhersage treffen. Daß man auch dann noch Überraschungen erleben kann, wird sich niemals vermeiden lassen. Dies trifft besonders für die Fälle zu, die nicht sicher abzugrenzen sind, d. h. wo wir nicht wissen, ob eine Nephrose oder eine Pseudonephrose vorliegt.