
Zusammenfassung
Die bei der normalen Säuresekretion des Magens nachweisbaren Blutveränderungen, Abfall der Blutchloride und Anstieg der Alkalireserve, treten in stärkstem Maße in Fällen auf, bei denen ein häufiges Erbrechen die Rückresorption der in den Magen sezernierten Chloride verhindert. Hierdurch können urämische Krankheitsbilder entstehen, da die Nieren bei diesen schweren Veränderungen des Blutmineralgehaltes, insbesondere bei starker Hypochlorämie, nicht genügend funktionsfähig sind, und gleichzeitig im geänderten Ionenmilieu ein gesteigerter Eiweißzerfall stattfindet. Bei einem 49jährigen Mann mit Pylorusstenose und häufigem Erbrechen trat unmittelbar im Anschluß an eine Magenspülung ein Koma ein. Im Urin NaCl fast fehlend. Chlor im Serum (normal 370) auf 173,5 mg% herabgesetzt, Alkalireserve auf 109 gesteigert, Rest-N 122 mg%. Trotz reichlicher Kochsalzzufuhr mit Serumchloranstieg bis 275 mg% und trotz Gastroenterostomie nach kurzer geringer Besserung Tod im Koma. Bei Sektion an Nieren nur geringe degenerative Veränderungen, welche ursächlich nicht in Betracht kommen. — In einem Fall von Quecksilbervergiftung mit schwerem Erbrechen wurde eine Kombination von organischer Niereninsuffizienz mit Hypochlorämie beobachtet. Weitere Fälle mit geringerer Hypochlorämie ohne Urämie, teilweise kombiniert mit Magentetanie, werden beschrieben. — Bei urämischen Zuständen ist immer die Frage der hypochlorämischen Genese zu prüfen, da in diesen Fällen Zufuhr großer Mengen NaCl lebensrettend sein kann, die bei organischer Niereninsuffizienz kontraindiziert ist. Vor Magenspülungen ohne Kontrolle des Chlorhaushaltes bei Fällen mit langdauerndem Erbrechen wird dringend gewarnt.