Zusammenfassung
An 85 isolierten Leichenlungen mit chronischer Bronchitis wurden postmortale Bronchogramme
mit einer wäßrigen Bariumsuspension durchgeführt. In frühen Füllungsphasen sind bei
Aufnahmen in verschiedenen Durchmessern schnelle Aussagen über Häufigkeit, Anzahl,
Abstände und Verteilung dilatierter Ausführungsgänge der Bronchialwanddrüsen möglich.
In 30% der Fälle konnten bronchographisch wechselnd stark ausgeprägte Konturaufrauhungen
der Haupt-, Lappen-, Segment- und Subsegmentbronchien bis in 8 cm Entfernung vom Lungenhilus
in Form von sog. Bronchialwanddivertikeln nachgewiesen werden. Die gezielte makroskopische
und mikroskopische Kontrolle der röntgenographischen Befunde ergab, daß die divertikelartigen
Konturaufrauhungen bei der chronischen Bronchitis in der Mehrzahl aus der Füllung
ektatischer, intramuraler Ausführungsgänge der seromukösen Bronchialwanddrüsen mit
Kontrastmittel resultieren. Die bronchographisch nachweisbaren Divertikel sind regelmäßig
korreliert mit einer Drüsenhyperplasie und einer Vermehrung muköser Drüsenzellen im
Drüsenkörper. Besonders zahlreich werden ektatische Drüsengänge bei der chronischen
katarrhalischen Bronchitis und beim Asthma bronchiale gefunden. Hat die chronische
Bronchitis zu Bronchialwanddestruktionen geführt, so können röntgenologisch nachweisbare
Divertikel auch durch einen drüsenunabhängigen Prolaps der Bronchialschleimhaut im
Bereich dehiszenter Muskelbündel entstehen. Die Ergebnisse an der Leichenlunge entsprechen
den klinisch-bronchographisehen Befunden bei solchen Formen der chronischen Bronchitis,
die mit einer stark vermehrten Schleimproduktion einhergehen. Die Untersuchungen an
der Leichenlunge sind zur quantitativen Analyse der vermehrten Schleimproduktion bei
der chronischen Bronchitis geeignet. Führt die chronische Bronchitis zu einer zunehmenden
Wanddestruktion und Wandvernarbung mit nachfolgender Schleimdrüsenatrophie, so sind
auch im postmortalen Bronchogramm dilatierte Drüsenausführungsgänge weit seltener
oder überhaupt nicht mehr nachweisbar.
Summary
Post-mortem bronchograms were performed on 85 isolated lungs from patients with chronic
bronchitis, using an aqueous barium suspension. During early filling, information
was obtained regarding the incidence, numbers, distribution and distance from each
other of dilated bronchial wall glands. In 30% of cases, bronchography revealed irregularity
of contours of varying severity in the main, lobar, segmental and sub-segmental bronchi
as far as 7 cm. from the lung hilum. This was due so-called bronchial wall diverticula.
Macroscopic and microscopic investigation of the radiological findings showed that
the regular contours in chronic bronchitis were due, in the majority of cases, to
filling of ectatic intramural ducts of the seromucous bronchial wall glands with contrast
medium. The bronchographically demonstrable diverticula correlate regularly with gland
hyperplasia and an increase in the number of mucous cells within the gland. Ectatic
ducts are found particularly frequently in chronic catarrhal bronchitis and in bronchial
asthma. Where chronic bronchitis has led to destruction of the bronchial wall, radiologically
demonstrable diverticula may be due to prolapse of the bronchial mucosa through dehiscent
muscle bundles, and not to bronchial glands. The findings in the postmortem lungs
correspond to the clinical bronchographic observations in those types of chronic bronchitis
which are associated with increased mucus production. These investigations are suitable
for a quantitative analysis of increased mucus production in chronic bronchitis. If
chronic bronchitis has led to increasing mural destruction and scarring with subsequent
mucous gland atrophy, dilated ducts are rarely found on post-mortem bronchograms,
or are absent.