Pädiatrie up2date 2010; 5(1): 15-29
DOI: 10.1055/s-0029-1244008
Sozialpädiatrie
 
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Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Störung

Ein Überblick zum aktuellen ForschungsstandMichael  Huss
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Publication Date:
22 March 2010 (online)

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Einleitung

Trotz intensiver Forschung und breit angelegten Diskussionsforen ist die Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) wie keine andere Verhaltensauffälligkeit weiterhin Gegenstand kontroverser öffentlicher und wissenschaftlicher Debatten. Diese werden einerseits durch einen inflationären Gebrauch des Störungsbegriffs für eine Vielzahl schulischer Probleme und Verhaltensauffälligkeiten genährt, andererseits schüren stetig ansteigende Verordnungszahlen von Psychostimulanzien die Besorgnis, Kinder würden chemisch gefügig gemacht (Abb. [1]). Neuerdings kommt noch die Debatte um den Aspekt des „Gehirn-Dopings” (cognitive enhancement) hinzu. Dem kontroversen öffentlichen Bild stehen mittlerweile eine Fülle wissenschaftlicher Erkenntnisse über Häufigkeit, mögliche Ursachen, Diagnostik, Therapie und Prognose zur Verfügung, sodass im Januar 2010 eine S3-Leitlinienkommission von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) eingerichtet wurde, in der die pädiatrischen, die kinder- und jugendpsychiatrischen sowie auch die psychiatrischen Fachgesellschaften mit den relevanten Gruppierungen vertreten sind. Der vorliegende Artikel fasst den aktuellen Forschungsstand und die Diskussion um Praxisempfehlungen hinsichtlich Diagnostik und Therapie zusammen.

Abb. 1 Schulschwierigkeiten oder ein Fall von ADHS? Ein Blick in die aktuellen Forschungsergebnisse bringt mehr Klarheit. Quelle: istockphoto; Symbolbild.