Rofo 2011; 183(1): 24-36
DOI: 10.1055/s-0029-1245883
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ganzkörper-MRT bei Kindern und Jugendlichen

Whole-Body MRI in Children and JuvenilesJ. F. Schaefer1 , U. Kramer1
  • 1Abt. für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Tübingen
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Publikationsverlauf

eingereicht: 11.4.2010

angenommen: 20.10.2010

Publikationsdatum:
15. Dezember 2010 (online)

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Zusammenfassung

Die Ganzkörper-MRT (GK-MRT) stellt ein Paradigmenwechsel in der pädiatrischen Radiologie dar, da nun Auswirkungen von Erkrankungen auf Organsysteme ganzheitlich ohne Strahlenexposition bildgebend erfasst werden können. Gleichzeitig lassen sich multiple Teilkörperuntersuchungen gegebenenfalls unter Sedierung der Patienten einsparen, sodass auch die Therapie schneller erfolgen kann. Moderne Gerätetechnik mit automatischer Tischverschiebung sowie die Kombination von multiplen Spulenelementen und gleichzeitige Signalaufnahme mittels einer Vielzahl unabhängiger Empfangskanäle sind Grundvoraussetzung zur Durchführung einer hochaufgelösten GK-MRT. Hauptindikationen sind Beurteilung der Multifokalität bei Knochenprozessen, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises einschließlich der Fiebersyndrome und Ausbreitungsdiagnostik bei soliden Tumoren. Aufgrund der Ergebnisse aus den bisherigen klinischen Studien kann noch keine absolute Indikation für eine GK-MRT gestellt werden. Dennoch zeigt die GK-MRT eine höhere diagnostische Genauigkeit als die Skelettszintigrafie und vergleichbare Ergebnisse zur FDG-PET bei Knochenmetastasen. Bei welcher Entität die GK-MRT im Rahmen des primären Stagings von soliden Tumoren ausschließlich angewendet werden sollte und wo sie nur komplementären Charakter aufweist, kann aufgrund der bisher kleinen Fallzahlen der Studien noch nicht abschließend beantwortet werden. Untersuchungsstrategien, Befunderhebung, etablierte Indikationen und diagnostische Genauigkeit werden anhand der aktuellen Literatur sowie der eigenen Erfahrungen von über 400 Untersuchung behandelt, um nicht nur einen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft zu geben, sondern auch praxisrelevante Aspekte zu behandeln, die für den Einsatz der GK-MRT bei Kindern bedeutsam sind.

Abstract

The imaging of systemic disorders without radiation exposure by whole-body MRI (wb-MRI) represents a paradigm shift for pediatric radiology. The reduction of multiple regional examinations, if necessary under sedation, results in a faster treatment start. Modern scanner techniques using automatic table movement and allowing the combination of multiple coil elements and synchronized signal recording with numerous independent receiving channels are the basic prerequisite for high-resolution wb-MRI. The main indications are the evaluation of multifocal bone involvement in different disorders, rheumatic disorders including fever of unknown origin or metastatic spread in solid tumors. Based on the research, there is currently no absolute indication. However, wb-MRI has been shown to yield a higher diagnostic performance than bone scintigraphy and comparable results to FDG-PET for the detection of bone metastases. Due to the low number of published studies, it is uncertain for which entity of solid tumors wb-MRI is the modality of choice and for which tumors wb-MRI will play only a complementary role in the diagnostic work-up. Methodical strategies, pitfalls in image analysis, indications and diagnostic accuracy will be discussed based on already published results as well as our own experience from over 400 examinations, thus providing an overview of the recent research as well as supplying relevant aspects of the daily routine in pediatric wb-MRI.