Zentralbl Chir 2010; 135(5): 464-466
DOI: 10.1055/s-0030-1247478
Chirurgische Fort- und Weiterbildung

© Georg Thieme Verlag Stuttgart ˙ New York

Wie sollte die chirurgische Ausbildung idealerweise konzipiert sein? – Antworten und Anregungen aus Sicht des Assistenten

How Should Surgical Education and Training be Designed Ideally? – Answers and Suggestions of a Surgical ResidentE. Bärthel1 , U. Schöne1 , H. Scheuerlein1
  • 1Universitätsklinikum Jena, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Jena, Deutschland
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
25. Oktober 2010 (online)

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In den deutschen Krankenhäusern besteht aktuell ein Nachwuchsmangel in den chirurgischen Fachgebieten, denn seit 1991 ist der Anteil jüngerer Ärzte in der Chirurgie um 40 % zurückgegangen [1].

Eine Umfrage bei über 2 500 Medizinstudierenden von Via Medici im Jahr 2006 ergab, dass sich nur 5 % vorstellen können, eine chirurgische Ausbildung zu absolvieren [2]. Dieses Ergebnis ist alarmierend und stellt ein Desaster für das schöne Fach Chirurgie dar, auch wenn die methodische Schwäche einer solchen Umfrage berücksichtigt wird. Die Gründe für den Nachwuchsmangel sind weitreichend bekannt und werden verschieden vorgetragen: Hohe Arbeitsbelastung, fehlende „Work-Life-Balance“, schlechte Bezahlung etc. Vor allem spielt die intransparente Struktur in der Ausbildung mit mangelhafter Anleitung („Sprung ins kalte Wasser“) und die fehlende Wertschätzung des Einzelnen eine tragende Rolle. Feierabendforschung, überbordende Bürokratie und befristete Arbeitsverträge sind ebenfalls keine attraktivitätssteigernden Faktoren. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Professor Hartwig Bauer, argumentiert hierzu folgendermaßen: „Wenn Studenten im Praktischen Jahr auf völlig ausgepowerte Ausbildungsassistenten treffen, wird sie das nicht für die Chirurgie erwärmen“. Die Demotivation der Ärzte in den Kliniken bleibt den Studenten nicht verborgen und lässt sie zunehmend daran zweifeln, ob eine Tätigkeit in der kurativen Medizin und insbesondere in der Chirurgie noch ein erstrebenswertes Karriereziel ist. Es verwundert daher nicht, dass 3065 vorwiegend in Deutschland ausgebildete Mediziner allein im Jahr 2008 ins Ausland abgewandert sind. Dieser Nachwuchs- und Fachkräftemangel ist jedoch nicht nur ein Phänomen in der Ärzteschaft. Nach einer Studie des Sachverständigenrates für Integration und Migration verlassen jährlich zehntausende Fachkräfte Deutschland. So sind seit 2003 laut der Studie fast 180 000 Fachkräfte in andere Industriestaaten ausgewandert. Umso wichtiger ist es, der chirurgischen Ausbildung wieder Attraktivität zu verleihen, denn sie ist kein Nebenprodukt unserer täglichen Arbeit.