Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2010; 7(4): 235-238
DOI: 10.1055/s-0030-1270612
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Palliativmedizin – Palliativmedizin als einer der Garanten für den zukünftigen Erhalt einer humanitären Krankenversorgung

U. Kleeberg
  • Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin (APM) der DKG e.V., Sprecher der Landeskrebsgesellschaften im Vorstand der DKG e.V.
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Publication Date:
03 January 2011 (online)

 

Palliativmedizin ist authentische Sorge des Onkologen und seines Teams um den hilfsbedürftigen Mitmenschen und nicht Dienstleistungsangebot von "Leistungserbringern" im Auftrag der Krankenkassen! Ärztliches Ethos, abgenutzte Phrase von Politikern und Körperschaften, wenn es gilt ärztliche Leistung billig einzufordern, wird zur Leitschiene einer von Priorisierung, sprich von Triage bestimmten Zukunft unseres Gesundheitswesens. So wurden kausale, gegen den Krebs gerichtete, wissenschaftlich als wirksam gesicherte Interventionen kürzlich als ineffizient und nicht länger finanzierbar definiert, weil eine dadurch ermöglichte Verlängerung des Überlebens im Median 6-8 Wochen nicht überschreitet [1].

Palliativmedizin will aber nicht "dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben" (Derek Doyle) und dies effektiv und evidenzgestützt. Rufe nach Priorisierung auf Kosten chronisch Kranker bedeutet ökonomisch intendierte Triage, von der zu befürchten ist, dass sie für die politische Initiative zur Einführung der allgemeinen und speziellen ambulanten Palliativversorgung (AAPV & SAPV) wegweisend war.

Palliativmedizin ist nicht nur als Versorgungsansatz zu verstehen, sondern beschreibt ärztliche Grundhaltung bei der Betreuung Schwerstkranker und Sterbender [2].

Die wachsende Kommerzialisierung unseres Gesundheitswesens läuft ebenso wie eine Staatsmedizin Gefahr, aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend die tradierten ethischen Grundwerte der Ärzteschaft zu kompromittieren. Politisch oder betriebswirtschaftlich erzwungener Pseudowettbewerb, Rationalisierung und Rationierung sowie der Verkauf von Kliniken an profitorientierte, Rendite erwirtschaftende Konzerne, die sog. "Privatisierung", droht zum Entzug öffentlicher Kontrolle über gemeinnützige Institutionen zu führen.

Das dieser Entwicklung imminente Problem ist, dass die Ärzteschaft zunehmend in die falsche Richtung gedrängt wird, einer guten "ökonomischen Performance" statt umfassender, patientenzentrierter Betreuung verpflichtet. So resultiert eine Ökonomisierung der Ethik.