Zusammenfassung
Anorektale Fremdkörper sind häufige Behandlungsindikationen in Proktologie und Viszeralchirurgie,
sie wurden von psychiatrischer Seite jedoch bislang kaum beachtet. Mit der Enttabuisierung
sexueller Praktiken seit den 1970er-Jahren wurde gehäuft über das Auftreten von Paraphilien
berichtet, die zu teils schwerwiegenden körperlichen Konsequenzen führten. Wir beschreiben
den Fall eines 88-jährigen Patienten, bei dem rektal eingeführte Fremdkörper mittels
Laparotomie entfernt werden mussten. Die Verdachtsdiagnose einer demenziellen Entwicklung
mit Störung der Sexualpräferenz konnte nicht aufrecht erhalten werden, da beim Patienten
bereits seit dem 20. Lebensjahr eine Paraphilie vorgelegen haben soll. Ätiologische,
diagnostische und therapeutische Implikationen des Falles werden diskutiert.
Abstract
Treatment of anorectal foreign bodies is a frequent surgical and proctologic question.
However, psychiatric implications of paraphilias are rarely discussed. Since the liberalisation
of sexual behaviour in the 1970 s, the reported number of severe complications due
to paraphilias is increasing, and sexuality is performed until higher age. We describe
the case of an 88 year old man who had undergone laparotomy for removal of foreign
bodies. The initial diagnosis of a dementia with inappropriate sexual behaviour could
not be confirmed as the paraphilia existed since his youth. Etiologic, diagnostic
and therapeutic implications of the case are discussed.
Schlüsselwörter
anorektale Fremdkörper - Paraphilie
Keywords
anorectal foreign bodies - paraphilia