Zusammenfassung
Suizidalität stellt in der ambulanten Therapie einen hohen Belastungsfaktor für Therapeuten
dar. Über das persönliche Verantwortungsgefühl, die Notwendigkeit unmittelbar handeln
zu müssen und den zu vermeidenden Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung hinaus können
berechtigte rechtliche Fragen und sich daraus ergebende Konsequenzen die therapeutische
Arbeit erschweren. Aufgrund der Garantenstellung sind Professionelle gefordert, eine
diagnostische, gutachterliche Beurteilung der Suizidalität vorzunehmen. Zur Einschätzung
sind nicht nur anamnestische Angaben zur Suizidalität und der psychische Befund einzubeziehen,
sondern auch Risikofaktoren, Schutzfaktoren, Zugehörigkeit zu Risikogruppen und fremdanamnestische
Informationen. Diese Faktoren finden auch in der Suizidprävention Berücksichtigung.
Neben der Herstellung einer wohlwollenden, aktiv-fürsorglichen therapeutischen Beziehung
ist eine geeignete psychopharmakologische Behandlung und Einbeziehung weiterer Personen
oder Institutionen abzuwägen. In der therapeutischen Praxis ist die Verhinderung der
Suizidhandlung als ethisch und therapeutisch unabdingbar anzusehen. Weitere Fragen
nach Lohnfortzahlung nach Suizidversuch, Leistungsansprüchen aus Lebensversicherungen
und nach Zusammenhängen des Suizides mit Umständen am Arbeitsplatz oder mit Gewalttaten
können sich in der Praxis stellen.
Schlüsselwörter
Suizidalität - Garantenstellung - Risikofaktoren - Schutzfaktoren - Suizidprävention
- Sterbehilfe - Kausalität
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Prof. Dr. Markus Steffens
Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Fachhochschule Nordhausen
Weinberghof 4
99734 Nordhausen
eMail: steffens@fh-nordhausen.de