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DOI: 10.1055/s-0032-1309485
Behandlung der Rhizarthrose - Suspension mit temporärer Transfixation ohne Vorteile
Bisherige Studien haben bei Patienten mit Rhizarthrose keine wesentlichen Vorteile der Trapezektomie mit Bandrekonstruktion und Drahtstabilisierung gegenüber der einfachen Trapezektomie demonstriert. Nun sollten Daten über einen Zeitverlauf von 6 Jahren zeigen, ob sich Unterschiede beim Operationsergebnis ergeben. Aber auch nach dieser Zeitspanne waren keine besseren Resultate erkennbar.Publication History
Publication Date:
08 November 2012 (online)
J Hand Surg Eur. 2012; 37: 211 – 219
In ihre Studie schlossen H. Salem und TRC Davis von der Universitätsklinik in Nottingham 99 Patienten ein, bei denen insgesamt 114 Daumensattelgelenke operiert wurden. Zwischen 2002 und 2005 wurden die Patienten randomisiert 2 Studienarmen zugeteilt.
In der 1. Gruppe mit 59 Operationen erfolgte nur eine Trapezektomie. In der 2. Gruppe (n = 55) führten die Chirurgen neben der Trapezektomie eine Bandrekonstruktion mithilfe eines abgespaltenen Teils der Sehne des M. flexor carpi radialis durch. Ein Kirschner-Draht durch das Os metacarpale bis zum Skaphoid hielt die Basis des Mittelhandknochens auf ihrer ursprünglichen Lokalisation. Der Draht wurde nach 4 Wochen entfernt.
Nach 6 Jahren gaben 80 % der Patienten aus Gruppe 1 und 87 % der Patienten aus Gruppe 2 Schmerzfreiheit bzw. nur Beschwerden ohne Aktivitätseinschränkung an; dieser Unterschied war mit p = 0,28 ohne Signifikanz.
In der 1. Gruppe hatten Schmerz und Beeinträchtigung im DASH-Fragebogen (Disability of the Arm, Shoulder and Hand) eine Veränderung von präoperativ 53 Punkten auf 31 Punkte nach 6 Jahren gezeigt. Verglichen mit der 2. Gruppe (Abnahme von 49 auf 30 Punkte) ergab sich keine signifikante Gruppendifferenz. Analoge Daten bot die Auswertung des PEM (Patient Evaluating Measure) mit 64 und 35 Punkten in Gruppe 1 sowie 67 und 34 Punkten in Gruppe 2.
Die Kraft beim „Schlüsselgriff“ mit 3,7 kg in der 1. Gruppe und 4,1 kg in der 2. Gruppe wies keine signifikanten Verbesserungen gegenüber dem präoperativen Befund auf.
Fazit
Die vorliegende Publikation zeigte auch nach 6 Jahren in den Bereichen Schmerz, Beeinträchtigung und Kraft keine signifikanten Unterschiede zwischen Rhizarthrose-Patienten nach einfacher Trapezektomie oder nach einer Trapezektomie mit Bandrekonstruktion und mehrwöchiger Kirschnerdraht-Fixierung. Der aufwendigere Eingriff bot damit keine Vorteile beim klinischen Operationsergebnis. Zumindest nach den Daten ihrer Studie sehen die Autoren keine evidenzbasierte Rechtfertigung für eine zusätzliche Bandrekonstruktion.
Dr. Andreas Fischer, München
Kommentar


Prof. Dr. Abdul-Kader Martini, Seegarten Klinik, Adenauerplatz 4/1, 69115 Heidelberg
Bringen zusätzliche Eingriffe wie Bandrekonstruktion und Bohrdrahtfixation bessere Ergebnisse, als die alleinige Trapezektomie bei der operativen Behandlung der Daumensattelgelenkarthrose? Die vorliegende Arbeit versucht, eine eindeutige Antwort zu geben.
Jahrelang, seit der Erstbeschreibung von Gevis (1949), wurde die Trapezektomie als Resektionsarthroplastik des Daumensattelgelenkes (DSG) vorgenommen. Proximalisierungen des 1. Mittelhandknochens verursachten Misserfolge und animierten dazu, Operationsmethoden mit Sicherung des 1. Mittelhandknochens in seiner Position ohne Abstützung des Trapeziums zu finden. Sehneninterponate sowie verschiedene Bandrekonstuktionen, mit und ohne Drahtfixation, wurden beschrieben. Mehrere Studien wurden veröffentlicht und bestätigten oder widerlegten die Vorteile dieser zusätzlichen Eingriffe. Die vorliegende Studie vergleicht 2 randomisierte Gruppen: Bei der einen Gruppe wurde nur die Trapezektomie durchgeführt, bei der anderen wurden alle Möglichkeiten der „Stabilisierung“ gleichzeitig vorgenommen – was im Prinzip übertrieben ist.
Die vorliegende Studie zeichnet sich als prospektive, randomisierte und kontrollierte Studie mit langer Beobachtungszeit aus. Die Ergebnisse bestätigen die Resultate mehrerer Studien jüngeren Datums, die keine Vorteile der Aufhängeplastik gegenüber der alleinigen Trapezektomie festgestellt haben. Eine ähnliche multizentrische Studie mit dem gleichen Ergebnis wurde in Deutschland unter der Leitung von Herrn Dr. Richter (Bonn) durchgeführt. Die Autoren haben auf eine Röntgenkontrolle verzichtet. Für sie stehen, zu Recht, die klinischen Parameter und vor allem das Urteil des Patienten im Vordergrund.
Als besondere Erkenntnisse dieser Untersuchung sind hervorzuheben: Es ist keine Befundänderung im Laufe der Zeit zu erwarten, nach 1 Jahr ist das Endergebnis erreicht. Durch die Operation ist mit keiner Besserung der Beweglichkeit oder der Kraft zu rechnen! Ich denke, dass das vom Stadium der Erkrankung abhängt. Um die Proximalverschiebung nach der einfachen Trapezektomie zu verhindern, ist die stabile Kapselnaht maßgeblich. Auffällig finde ich, die relativ häufigen und vom Operationsverfahren abhängigen, Schäden der Nervenendäste. Diese Komplikation hängt meiner Meinung nach mit dem Zugang zusammen. Es ist an der Zeit, dass die DGH eine Leitlinie für die Therapie der DSG-Arthrose unter Berücksichtigung der neueren Literatur erstellt.
E-Mail: martini.ak@web.de
