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DOI: 10.1055/s-0032-1315412
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
Editorial
Publication History
Publication Date:
23 May 2012 (online)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
eine nahe Verwandte wurde aufgrund einer ALS-Erkrankung innerhalb von drei Jahren von einer allein lebenden, tatkräftigen Powerfrau zu einem auf externe Versorgung angewiesenen Pflege-„fall“. Als sie ihre Ärztin um ein „Mittel“ bat, um den Weg zum Sterben abzukürzen, reagierte die Familie – allesamt kirchlich geprägt – mit Verständnis, ja, sogar zustimmend: „Das ist so doch kein Leben mehr!“
Das Ziel von Palliative Care ist die Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und Angehörigen. Das kommt mir als professionellen Begleitender manchmal schnell über die Lippen. Aber was heißt das eigentlich, jenseits aller wohlgemeinten Behauptungen?
Der Beitrag der Leipziger Forschergruppe um Heide Götze stellt das Konstrukt Lebensqualität sowohl theoretisch, konkret und auch als Forschungsgebiet dar. Dabei lässt sich Manches nicht schön reden. Gerade deshalb eröffnet die Lektüre den Blick auf eine Begleitung mit Realitätssinn.
Wir diskutierten innerhalb der Familie auch Monate nach dem Tod meiner Verwandten darüber, was am Ende noch „gut“ war. Sie selbst hat ihre Bitte nach einem Mittel nicht wiederholt, aber an ihrem Wunsch sterben zu dürfen, änderte sich nichts.
Nachdenklich, Ihr
Prof. Dr.
Traugott Roser
Rubrikenherausgeber