Einleitung: Die Prävalenz des unerfüllten Kinderwunschs in Deutschland ist methodisch schwer
zu erfassen und wird je nach Definition auf 6 bis über 30% geschätzt [1]. Für die
hohe sozialmedizinische Relevanz der Thematik spricht auch die Bedeutung medizinisch
assistierter Reproduktion, mittels derer 2008 2,6% aller lebend geborenen Kinder gezeugt
wurden [2,3]. Dies, obwohl Gesetzesänderungen im Jahr 2003 zu einem starken Rückgang
der Inanspruchnahme führten [3]. Das PinK-Projekt will erstmals für Deutschland mögliche
Barrieren auf dem Weg zur und Belastungen während der Kinderwunschbehandlung prospektiv
erheben. Um Erreichbarkeit von Paaren in Kinderwunschtherapie, Studiendesign und das
entwickelte Erhebungsinstrument der ersten Welle zu testen, wurden qualitative und
quantitative Pre-Tests durchgeführt.
Daten/Methodik: Im Rahmen des PinK-Projektes sollen Paare kurz vor Behandlungsbeginn in einem der
fünf rheinland-pfälzischen Kinderwunschzentren schriftlich befragt und zu einem späteren
Zeitpunkt postalisch erneut kontaktiert werden. Zur Machbarkeitsprüfung wurde in vier
der Zentren ein schriftlicher Pre-Test durchgeführt. Im Dezember 2011 wurden jedem
Zentrum 10 Umschläge mit Studienunterlagen für Frau und Mann ausgehändigt. Enthalten
waren jeweils Anschreiben, Fragebögen, Evaluationsbögen sowie Rücksendeumschläge für
beide Partner. Die geschlechtsspezifischen Fragebögen enthielten 77 bzw. 71 Fragen
zu Behandlungsbiografie, bevorstehender Behandlung, sozio-demographischen Merkmalen
etc. die Evaluationsbögen elf Fragen zur Beurteilung von Fragebogen, künftiger Teilnahmebereitschaft
und persönlichem Code zur Datenverknüpfung über verschiedene Erhebungswellen. Zum
Aufklärungsgespräch über die erste Behandlung zur Erfüllung des aktuellen Kinderwunschs
wurden die Umschläge durch das Praxispersonal an die Paare bzw. Frauen übergeben.
Die Fragebögen wurden zu Hause ausgefüllt und anonym an die Studienzentrale gesendet.
Ergänzend wurden im verbleibenden Zentrum sechs in Behandlung befindliche Paare für
qualitative Interviews rekrutiert, die zwischen Dezember 2011 und März 2012 in der
Studienzentrale durchgeführt wurden.
Ergebnisse: Bis zum 10.4.2012 gingen mit 45 Evaluationsbögen von Frauen (24) und Männern (21)
mehr als 50% der 80 ausgeteilten Fragebögen in der Studienzentrale ein. Der Rücklauf
variierte zwischen den Zentren stark (min. 4 Bögen, max. 19 Bögen). Darin bewerteten
34 Befragte (19 Frauen) die Fragebogenthemen als interessant oder sehr interessant,
ein Befragter wählte nicht interessant. 26 Befragte (17 Frauen) fanden die Länge des
Fragebogens genau richtig 15 Befragte (6 Frauen) etwas zu lang, 4 Befragte (1Frau)
viel zu lang. Eine Befragte gab an, sich nicht vorstellen zu können, an einer einmaligen
Wiederholungsbefragung teilzunehmen, 4 Personen (3 Frauen) konnten sich die Teilnahme
an regelmäßigen Wiederholungsbefragungen nicht vorstellen. 2 Personen (1 Frau) gaben
geringfügige Schwierigkeiten bei der Erstellung des persönlichen Codes an. In den
qualitativen Interviews wurde eine sehr unterschiedliche Bearbeitungszeit für den
Fragebogen deutlich, die scheinbar mit der persönlichen Belastung durch den unerfüllten
Kinderwunsch im Zusammenhang steht. Durch die Interviews konnten schwierige und missverständlich
formulierte Fragen aufgefunden und Änderungsvorschläge erarbeitet werden.
Diskussion/Schlussfolgerung: Die Rücklaufquote kann als gut bewertet werden, wobei diese zentrumsspezifisch variiert.
Dies ist auf die Motivation zur Teilnahme seitens des Praxispersonals, aber auch auf
unterschiedlich gelagerte Patientengruppen zurückzuführen. Eine ausführliche Schulung
vor Erhebungsbeginn und der Einsatz von Incentives für das Praxispersonal sind empfehlenswert.
Die Bereitschaft und Machbarkeit für eine oder mehrere Wiederholungsbefragungen scheint
gegeben. Insgesamt wurde das Erhebungsinstrument insbesondere von Frauen positiv bewertet.
Sprachliche Änderungen und Kürzungen wurden gemäß dem qualitativen Pre-Test vorgenommen.
Literatur:
[1] Brähler E, Stöbel-Richter Y, Huinink J, Glander HJ. Zur Epidemiologie gewollter
und ungewollter Kinderlosigkeit in Ost- und Westdeutschland. Reproduktionsmedizin
200117(3):157–162.
[2] Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2010, Wiesbaden 2010.
[3] Bühler K, Bals-Pratsch M, Kupka MS: DIR Annual 2009, J. Reproduktionsmed. Endokrinol
2010 7 (6), 470–497.