Klin Padiatr 2013; 225(03): 107-109
DOI: 10.1055/s-0033-1347183
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Update zur personalisierten Diagnostik und Behandlung krebskranker Kinder

Update: Personalized Diagnostics and Therapies for Pediatric Cancer Patients
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Publikationsdatum:
28. Mai 2013 (online)

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Notwendigkeit der Therapieoptimierung bei Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter

Die erfreuliche Entwicklung der langfristigen Heilungsraten der Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter während der letzten Jahrzehnte auf heute >80% gehört zu den Erfolgsgeschichten der modernen Medizin [5]. Der Preis des Therapieerfolges ist jedoch noch immer zu hoch: teilweise lebensbedrohliche Nebenwirkungen und gravierende Spätfolgen können mit der Behandlung einhergehen. Insbesondere die zahlreichen möglichen Spätfolgen nach Chemotherapie und Bestrahlung (Zweitmalignome, Nephrotoxizität, Kardiotoxizität, Hepatotoxizität, endokrinologische Störungen, Ototoxizität, Infertilität [20], Wachstumsstörungen, Entwicklungsverzögerungen, intellektuelle Defizite usw.) geben Anlass zur Sorge. Mit den Nebenwirkungen konventioneller Chemo- oder Strahlentherapie beschäftigen sich in dieser Ausgabe der Klinischen Pädiatrie 2 Beiträge (M. Götte et al., S. 133–137 und C. Pfitzer et al., S. 138–144). Hinzu kommt, dass die Möglichkeiten der klassischen 3-Säulen Therapie (Chirurgie, Chemotherapie und Strahlentherapie) ausgeschöpft zu sein scheinen, da die Heilungsraten bei den meisten Krebserkrankungen des Kindes- und Jugendalters trotz Intensivierung der Therapie auf dem erreichten hohen Niveau entweder stagnieren oder sich nur sehr langsam weiter verbessern [5]. Inzwischen kann über Erfolge mit Medikamenten berichtet werden, die in die Signalwege von leukämischen Zellen bei Kindern und Jugendlichen zielgerichtet eingreifen und im Einzelfall – z. B. nach schwerer Komplikation – besser verträglich sind als die aktuell empfohlene Chemotherapie (E. Müller et al. S. 172–173). Allerdings ist bei breiter Anwendung zielgerichteter Medikamente bei Kindern mit Nebenwirkungen zu rechnen, die bei gleicher Indikation bei Erwachsenen nicht zu erwarten sind (A. Ulmer et al. S. 120–126).

In den letzten Jahren ist das Wissen über die molekularen Ursachen der Entstehung und Progression der Krebserkrankungen sprunghaft gestiegen [1] [3] [14] [16] [21] [23] [24] [30] [32] [35] [36] [37] [40] [46]. Durch den Einsatz moderner Hochdurchsatztechnologien, die heute eine parallele Untersuchung der Aktivität aller Gene und sogar epigenetischer Veränderungen eines Gewebes erlauben, konnten bereits in vielen Tumorarten fehl­regulierte Komponenten bestimmter zellulärer ­Signalwege identifiziert und die Funktion entsprechender Gene oder Proteine charakterisiert werden [1] [3] [14] [16] [21] [23] [24] [30] [32] [35] [36] [37] [40] [46]. Diese neuen Erkenntnisse ebnen den Weg für noch präzisere Diagnosen und individuelle, für jeden Patienten maßgeschneiderte Behandlungsansätze. Klinische Bedeutung für diese neuen Behandlungsansätze erfährt die Erforschung eines Signalwegs durch das Vorhandensein spezifischer Inhibitoren, die auf verschiedenen Stufen der Signalkaskade wirken und vielversprechende neue Medikamente darstellen können. Daher ist die gezielte Forschung auf dem Gebiet der pädiatrischen molekularen Onkologie im Rahmen der einheitlichen Therapieoptimierungsprotokolle und diagnosebezogenen klinischen Register als Grundlage personalisierter Diagnostik- und Behandlungskonzepte zwingend notwendig.