Zusammenfassung
„Zur Behandlung bedürfen Ärzte der Einwilligung der Patienten. Der Einwilligung hat grundsätzlich die erforderliche Aufklärung im persönlichen Gespräch vorauszugehen.“ Diese in den ärztlichen Berufsordnungen der Landesärztekammern niedergelegte Aufklärungspflicht zählt zweifelsohne zu den Kardinalpflichten aller Ärzte in Klinik und Praxis. Sie entspringt dem verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungsrecht jedes Patienten, bei Eingriffen in die Körperintegrität stets Herr der Lage zu bleiben. Wegen des in der Regel überlegenen Wissens der behandelnden Ärzte und der damit einhergehenden sozialen und tatsächlichen Abhängigkeit der Patienten von der ärztlichen Entscheidung und Empfehlung hat die ärztliche Aufklärung früher nur wenig Beachtung gefunden. Dies hat sich über viele Jahre hinweg mit der immer restriktiver werdenden Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich geändert. Die Aufklärung der Patienten über diagnostische und therapeutische
ärztliche Maßnahmen und damit einhergehend die Anerkennung der Selbstbestimmungsmöglichkeiten und Rechte der Patienten stehen heute im Mittelpunkt des Arzt-Patienten-Kontakts. Unter Einsatz aller möglichen medialen Mittel (Aufklärungsbögen, Videos etc.) ist die ärztliche Aufklärung der Patienten heute allen Ärzten quasi „in Fleisch und Blut“ übergegangen. Dennoch hat sich der Gesetzgeber veranlasst gesehen, mit dem kürzlich verabschiedeten Patientenrechtegesetz die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze zur ärztlichen Aufklärung noch einmal ausdrücklich und zusätzlich in Erinnerung zu rufen. Auch wenn damit die ärztliche Aufklärung der Patienten heutzutage in den Klinik- und Praxisalltag eingezogen ist, ergeben sich doch in besonderen Fallkonstellationen nach wie vor strittige und z. T. wenig bekannte Zweifelsfragen, die auch im Hinblick auf besondere Versorgungssituationen im folgenden Beitrag dargestellt werden. Dabei ist stets dem Grundsatz zu folgen,
dass eine rechtswirksame Einwilligung des jeweiligen Patienten zu diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen in seine Körperintegrität immer nur dann vorliegt, wenn solche Eingriffe auf Grundlage einer entsprechenden ausreichenden Aufklärung des Patienten durchgeführt werden.
Abstract
Before treatment, the patient needs to give his/her consent before a physician can start. Before this consent can be given, the necessary information and explanation has always to be performed in a personal conversation. This obligation of information is fixed in the medical associationʼs codes of conduct issued by the German regional medical associations and without any doubt it counts among the cardinal obligations of all physicians in hospitals and medical practices. It is based on the constitutionally guaranteed right to self-determination of every patient to always remain master of the situation in the case of interventions to the bodyʼs integrity. Because of the usually superior knowledge that the treating physician has in comparison to the lay patient and the associated social and factual dependence of the patient for medical decisions and recommendations, only little attention has been paid to medical information and explanation in the past. During the
course of the years, jurisdiction of the German Federal Supreme Court (Bundesgerichtshof) has become more and more restrictive so that this situation has changed fundamentally. The information of patients about diagnostic and therapeutic medical procedures and thus the acceptance of the possibilities of self-determination and rights of the patients are nowadays in the focus of the contact between physician and patient. Due to the use of all possible medical means (information sheets, videos etc.) today, the medical information of the patients has become part of the daily routine of all physicians. Nonetheless, the legislators have understood the need to explicitly and additionally remind every physician of the developed principles of medical information in the recently issued law of patientsʼ rights. Even if the medical information is nowadays daily routine in hospitals and medical practices, there are still controversial and sometimes less known questions in
certain circumstances that will be described in the following contribution – also with regard to particular health-care situations. In this context, the general principle has to be observed that a legally effective consent of a patient regarding diagnostic or therapeutic interventions to his/her bodyʼs integrity is always only justified when those interventions are performed on the basis of the accordingly sufficient information for the patient.