Hintergrund: Auch Träger der stationären Behindertenhilfe können sich den Trends der Beschäftigten-Alterung
und einem generellen Wandel in der Arbeitswelt nicht entziehen. Durch die ebenfalls
zunehmende Alterung behinderter Menschen in den Einrichtungen sowie die Zunahme von
Menschen mit z.B. herausforderndem Verhalten und gleichzeitig einhergehendem Fachkräftemangel
scheinen die Anforderungen an die Beschäftigten in der stationären Behindertenhilfe
zu steigen. Zu den Arbeitsbelastungen und Ressourcen dieser Fachkräfte existieren
bisher keine belastbaren Daten. Empirische Ergebnisse wurden überwiegend auf dem Gebiet
anderer Pflegeberufe gewonnen. Daraus abgeleitete Konzepte für berufsgruppenspezifische
Ansätze Betrieblicher Gesundheitsförderung lassen jedoch keine Ergebnisübertragung
auf die stationäre Behindertenhilfe zu. Das forschungsleitende Ziel dieses Projektes,
ist die berufs- und branchenspezifische Erhebung der Gesundheit beeinträchtigenden
(Belastungen) und Gesundheit stärkenden (Ressourcen) Faktoren von Beschäftigen in
der stationären Behindertenhilfe.
Methodik: Das Projekt „Arbeitsbelastungen und Ressourcen in der stationären Behindertenhilfe“
wird durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung über zwei Jahre gefördert
(01.11.2012 – 31.10.2014). In Kooperation mit dem Caritasverband für die Diözese Osnabrück
e.V. wurden insgesamt 18 männliche und weibliche Beschäftigte, die über einen Stundenanteil
von mindesten 50% und über eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung verfügen, leitfadengestützt
befragt. Inhalt des Interviewleitfadens war neben der Tätigkeitsdarstellung und Organisation
die Erfragung von Belastungen und Beanspruchungen. Dabei wurden nicht allein die Erwerbsarbeitsbedingungen
erfragt, sondern die Arbeitsbedingungen im Kontext des heilerziehungspflegerischen
Handelns berücksichtigt. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Erfragung von Ressourcen,
insbesondere mit dem Schwerpunkt auf christliche Werte und damit einhergehend den
Glauben als eine Ressource. Unterstützt durch das Programm MAXQDA wurden die gewonnen
Daten auf Basis der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Ergebnisse: Die Ergebnisse der qualitativen Befragung werden im Rahmen des Kongresses vorgestellt.
Sie zeigen die spezifischen Belastungen und Beanspruchungen, sowie Ressourcen bei
Fachkräften im Setting der stationären Behindertenhilfe und in welcher Form sich diese
von denen anderer Berufsgruppen und Tätigkeiten in der Pflege abgrenzen. Hier werden
insbesondere die klientel-spezifischen Belastungen und Ressourcen fokussiert und die
Schwierigkeiten sowie Besonderheiten des einmaligen Nähe-Distanz-Verhältnisses aufgegriffen.
Außerdem wird offengelegt, welche Auswirkungen die Alterung der Beschäftigten und
der Wandel der Klientel für dieses Setting hat und inwieweit es den MitarbeiterInnen
gelingt, die Ressourcen, insbesondere ihre christliche Spiritualität, als eine Quelle
der Gesunderhaltung zu nutzen und diese in ihren beruflichen Alltag zu integrieren.
Auch werden Aussagen über eine Verbesserung der Ausbildung und die Meinung zur Inklusion
ersichtlich. Hier wird die Bedeutung der zielgruppenspezifischen Vorgehensweise deutlich.
Ausblick: Fachkräfte der stationären Behindertenhilfe sind durch eine große Verantwortung und
hohes Engagement für die ihnen anvertrauten KlientInnen in besonderer Weise gefordert.
Aufgrund fehlender Daten und in Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen sowie Tätigkeiten
in der Pflege war eine Exploration neuer Erkenntnisse unabdingbar, um die Forschungslücke
hinsichtlich der Arbeitssituation von Beschäftigten in Behindertenhilfeeinrichtungen
verkleinern zu können. Mit Hilfe dieser gewonnen Erkenntnisse wurde anschließend eine
schriftliche Gesamt-Beschäftigtenbefragung in den beteiligten Einrichtungen durchgeführt,
die eine Erhebung von Häufigkeiten und Zusammenhängen bestimmter Merkmale ermöglichen
soll. Die qualitativen und quantitativen Daten sollen im Kontext der Methodentriangulation
zusammengeführt, verglichen und auf einen weiteren Erkenntnisgewinn hin untersucht
werden. Die abschließende Ableitung von Zielgruppen und Setting gerechten Handlungsempfehlungen
soll einen nachhaltigen Beitrag für die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten leisten.