Zusammenfassung
Fragestellung: Die Verwendung eines Mangelernährungsscreenings (ME-Screening) wird für alle stationären
Einrichtungen empfohlen. Die Umsetzung ist jedoch oft ungenügend. Barrieren und Promotoren
zur Anwendung von ME-Screenings sind kaum bekannt. Kenntnisse dazu können zur Verbesserung
der klinischen Praxis beitragen. Ziel dieser Pilotstudie war es, die wichtigsten Barrieren
und Promotoren zur Anwendung eines ME-Screenings zu erfassen und zu evaluieren wie
sich diese nach systematischer Einführung des ME-Screenings verändern.
Methodik: Die Studie wurde in 2 Kliniken eines Schweizer Universitätsspitals durchgeführt.
Vor und nach der Einführung des Nutritional Risk Screening 2002 (NRS-2002) wurde das
Pflegepersonal und die Ärzteschaft mittels strukturiertem Fragebogen zu den Barrieren
und Promotoren zum ME-Screening befragt. Die Einführungsphase dauerte 10 Monate. Der
Fragebogen wurde aus den Resultaten der systematischen Literaturanalyse generiert
und inhaltlich validiert. Die Inhalte berücksichtigen professionelle (Wissen/Einstellung)
und organisatorische Barrieren und Promotoren. Im Post-Test wurde zudem die Relevanz
der einzelnen Barrieren und Promotoren evaluiert.
Ergebnisse: Die Rücklaufquote der Befragung betrug im Pre- und Post-Test > 30 %. Unzureichendes
Wissen um die Konsequenzen aus dem ME-Screening sowie die Möglichkeiten zum Einleiten
von Interventionen stellen die wichtigsten Barrieren dar. Des Weiteren beziehen sich
die wichtigsten Barrieren auf die Arbeitsteilung und die Personalressourcen. Wichtigste
Promotoren sind der Nutzen für die Patientinnen und Patienten, die Schulung, der Kompetenzzuwachs,
die Unterstützung des Teams sowie eine klar geregelte interdisziplinäre Aufgabenteilung.
Schlussfolgerung: In Schulungen sollte der Fokus vermehrt auf die Konsequenzen aus dem ME-Screening
und den Nutzen für Patientinnen und Patienten gelegt werden. Die Interdisziplinarität
als zentraler Erfolgsfaktor für die Screeningpraxis soll gefördert, die Aufgabenteilung
klar geregelt und erhobene Barrieren möglichst abgebaut werden.
Abstract
Purpose: The use of a tool for nutritional risk screening is recommended for all inpatients.
However, implementation is frequently insufficient. Barriers and facilitators to nutritional
screening are scarcely studied and knowledge thereof could improve clinical practice.
This pilot study was aiming to identify the most important barriers and facilitators
to nutritional screening and to evaluate the changes after the implementation.
Methods: The study was conducted in two units of a university hospital in Switzerland. Pre
and post implementation of the Nutritional Risk Screening (NRS-2002), nursing and
medical staff were questioned with a structured survey. The questionnaire was generated
from results of the systematic literature research and was validated for content.
Items either related to organizational or professional (knowledge/attitude) barriers
or facilitators. Furthermore, relevance of the barriers and facilitators were evaluated
posttest.
Results: Participation rate was > 30 % pre- and posttest. Insufficient knowledge of concequences
from nutritional screening and the possibility to act on it were the most important
barriers. Furthermore, important barriers are related to division of work and to human
resources. Most important facilitators are the benefit for patients, training and
knowledge gain, the support of the team and a clear interdisciplinary work division.
Conclusion: Educational sessions should focus more on consequences from nutritional screening
and on the benefit for patients. Interdisciplinary work as a key factor for success
should be promoted, the tasks of each discipline should be defined clearly, and known
barriers should be addressed and dissipated as much as possible.
Schlüsselwörter
Mangelernährung - Screening - Barrieren - Promotoren
Keywords
nutritional risk - screening - barriers - promoters