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DOI: 10.1055/s-0034-1388582
Niedermolekulares Heparin ohne Effekt bei habitueller Abortneigung unbekannter Ursache: Ergebnisse der multizentrischen prospektiv-randomisierten ETHIG II Studie
Zielsetzung: Niedermolekulares Heparin wird in Deutschland vielfach zur Prophylaxe wiederholter Fehlgeburten eingesetzt, obwohl dafür aus den bisherigen Studien keine Evidenz besteht. Die vorgestellte prospektiv- randomisierten Studie soll klären, ob der Einsatz von Heparin wiederholte Fehlgeburten verhindern kann.
Methode: In 12 Studienzentren in Deutschland und Österreich wurden 449 Frauen nach wiederholten Fehlgeburten und einer erneute vitalen Schwangerschaft zwischen der 5+0 und 8+6 SSW in 2 Studienarme randomisiert. Alle Schwangere erhielten Multivitamine (Femibion metafolat 800, Merck), die 226 Frauen im Behandlungsarm zusätzlich Dalteparin 5000 IE/d s.c. (Fragmin P forte, Pfizer) bis 24+0 SSW.
Das primäre Studienziel war die Verhinderung einer Fehlgeburt < 24. SSW, während die sekundären Zielparameter waren die Lebendgeburtsrate und das Auftreten von späten Schwangerschaftskomplikationen.
Ergebnisse: Die Rate der über die 24. SSW andauernden Schwangerschaften lag bei 86,6% im Dalteparinarm und bei 87,9 5 im Kontrollarm. Auch im günstigsten Fall (95% Konfidenzintervall) kann die Heparinprophylaxe die Schwangerschaftsrate um maximal 5,3 Prozentpunkte verbessern. Die Lebendgeburtsrate war ebenfalls identisch mit 86,0% nach Dalteparin und 86,7% bei den Kontrollen. Es gab 3 Totgeburten (zwei im Kontrollarm) und jeweils 9 Fälle von IUGR (4 im Kontrollarm) oder Präeklampsien/HELLP-Syndrom (6 im Kontrollarm).
Schlussfolgerung: Bei unbekannter Ursache wiederholter Fehlgeburten kann durch eine Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin kein günstiger Effekt erreicht werden. Der in Deutschland weitverbreitete unbeschränkte Einsatz ist nicht gerechtfertigt.
(EudraCT-No.: 2006 – 001984 – 53)