Zusammenfassung
Der häufigste Tumor mit Durabeteiligung ist das Meningeom; bei der differenzialdiagnostischen
Abklärung aller durabasierten Tumoren steht es daher immer an erster Stelle. Es gibt
jedoch eine ganze Reihe anderer neoplastischer und nicht neoplastischer Läsionen,
an denen die Dura ebenfalls beteiligt ist. Aus der Kenntnis der Anatomie der Dura
lassen sich Hinweise auf die verschiedenen Prozesse gewinnen, die sich an dieser Lokalisation
abspielen können. Bei den neoplastischen Prozessen handelt es sich teils um benigne,
teils um maligne Läsionen: Hämangioperizytome, Lymphome, solitäre fibröse Tumoren,
melanozytäre Läsionen, Epstein-Barr-Virus-assoziierte Tumoren der glatten Muskulatur,
Manifestationen der Rosai-Dorfman-Krankheit und Metastasen. Als nicht neoplastische
Prozesse sind infektiöse und entzündliche Entitäten, wie Tuberkulose und Sarkoidose,
zu nennen, die Tumoren sehr ähnlich sein können. In manchen Fällen entwickeln sich
Neoplasien, wie z. B. Gliosarkome, an der Peripherie des Hirnparenchyms, sodass der
Anschein erweckt wird, sie gingen von der Dura aus und hätten sogar einen Duraausläufer
(sog. Dural Tail). Viele dieser Läsionen weisen in der bildgebenden Darstellung mittels
CT, MRT und Angiografie Gemeinsamkeiten mit den Meningeomen auf, z. B. einen Dural
Tail, eine vermehrte Gefäßversorgung, prompte Kontrastmittelanreicherung und Ähnlichkeiten
der Signalcharakteristika. Alter, Geschlecht und Grundkrankheiten des Patienten sowie
bestimmte Besonderheiten im Bildgebungsbefund ermöglichen jedoch wichtige Rückschlüsse
auf die Art der Läsionen. So sollte beispielsweise bei der Differenzialdiagnose durabasierter
Läsionen bei HIV-infizierten Personen (Personen mit Infektion durch das humane Immundefizienzvirus)
auch an die Epstein-Barr-Virus-assoziierten Tumoren der glatten Muskulatur gedacht
werden. Das chirurgische Vorgehen bei den einzelnen Läsionen ist verschieden und ebenso
die Prognose. Die Kenntnis der unterschiedlichen Läsionen, die die Dura betreffen,
ihrer Bildgebungsbefunde und ihrer klinischen Merkmale hilft bei der Eingrenzung der
radiologischen Differenzialdiagnose und bei der Optimierung der Therapie.
Abstract
Meningioma is the most common mass involving the dura, making it number one in the
differential diagnosis for any dural-based mass; however, a variety of other neoplastic
and nonneoplastic lesions also involve the dura. Knowledge of the dural anatomy can
provide clues to the various processes that may involve this location. The neoplastic
processes include both benign and malignant lesions such as hemangiopericytoma, lymphoma,
solitary fibrous tumor, melanocytic lesions, Epstein-Barr virus-associated smooth
muscle tumors, Rosai-Dorfman disease, and metastatic lesions. The nonneoplastic processes
include infectious and inflammatory entities such as tuberculosis and sarcoid, which
may mimic mass lesions. In some cases, neoplasms such as gliosarcoma may arise peripherally
from the brain parenchyma, appearing dural-based and even inciting a dural tail. Many
of these share similar computed tomographic, magnetic resonance imaging, and angiographic
characteristics with meningiomas, such as a dural tail, increased vascularity, avid
enhancement, and similar signal characteristics; however, knowledge of the patient’s
age, gender, and underlying conditions and certain imaging characteristics may provide
valuable clues to recognizing these lesions. For example, in the population with human
immunodeficiency virus infection, Epstein-Barr virus-associated smooth muscle tumors
should be included in the differential diagnosis for dural-based lesions. The surgical
course and prognosis for these lesions vary, and knowledge of the variety of lesions
that involve the dura, their imaging appearances, and their clinical features assists
in narrowing the radiologic differential diagnosis and optimizing patient treatment.