Zusammenfassung
Hintergrund: Die Babyboomer sind die ersten, die dem Arbeitsmarkt bis zum Alter 67 zur Verfügung
stehen müssen. Wesentliche Prämisse für einen langen Verbleib im Erwerbsleben ist
eine gute Gesundheit. Belegt ist, dass psychosoziale Arbeitsbedingungen in Zusammenhang
zur Gesundheit stehen. Immer mehr Beschäftigte berichten von psychosozialen Belastungen
bei ihrer Arbeit. Daneben sind psychische Erkrankungen inzwischen der Hauptgrund für
den Eintritt in die Erwerbsminderungsrente. Vor diesem Hintergrund betrachtet der
vorliegende Beitrag den Zusammenhang zwischen psychosozialen Arbeitsbedingungen und
der mentalen Gesundheit exemplarisch für zwei der Babyboomerjahrgänge.
Methodik: Zur Analyse der angenommenen Zusammenhänge werden die Daten der Studie „lidA-leben
in der Arbeit. Kohortenstudie zu Gesundheit und Älterwerden in der Arbeit“ herangezogen
(N=6 057). Die mentale Gesundheit wird mit der Skala zur mentalen Gesundheit des SF-12
abgebildet. Daneben werden die Einzelitems sowie die Skalen zu quantitativen Anforderungen,
Arbeitstempo und Sozialer Unterstützung von Kollegen des Copenhagen Psychosocial Questionnaire
(COPSOQ) verwendet. Als Kontrollvariablen werden Kohortenzugehörigkeit, Ausbildungsniveau,
Stellung im Beruf sowie Partnerschaftsstatus berücksichtigt.
Ergebnisse: Eine multivariate Betrachtung des Zusammenhangs zwischen den quantitativen Anforderungen
bei der Arbeit, dem Arbeitstempo und der erfahrenen Hilfe und Unterstützung von Kollegen
zeigt jeweils einen signifikanten Zusammenhang zur mentalen Gesundheit. Dabei stehen
die steigende Häufigkeit der Anforderung schnell zu arbeiten sowie zunehmende quantitative
Anforderungen in einem negativen Zusammenhang zur mentalen Gesundheit. Für die Unterstützung
von Kolleginnen und Kollegen zeigt sich hingegen ein positiver Zusammenhang zur mentalen
Gesundheit. Diese Beziehungen lassen sich gleichermaßen für Frauen und Männer beobachten.
Schlussfolgerung: Bei der betrachteten Gruppe der Babyboomer, Erwerbstätige an der Schwelle zum höheren
Erwerbsalter, zeigt sich deutlich, dass die psychosozialen Arbeitsbedingungen mit
der mentalen Gesundheit zusammenhängen. Da die hier betrachtete Personengruppe noch
bis zu 18 Jahre im Erwerbsleben stehen wird, bei einem Renteneintritt im Alter von
67 Jahren, sollten nach einer schon erfolgten weitreichenden Verbesserung der physischen
Arbeitsbedingungen nun auch psychosoziale Arbeitsbedingungen noch stärker zum Thema
des Arbeitsschutzes gemacht werden.
Abstract
Background: The baby boomers are the first to be available to the German labour market up to
the age of 67. A crucial premise for a long working life is good health. However,
there is evidence that psychosocial working conditions are related to health. More
and more employees report psychosocial stress at work. In addition, mental illness
has become one of the main reasons for the entry into disability pension. Against
this background this study considers the relationship between psychosocial work conditions
and mental health exemplarily for two birth cohorts of the German baby boomers.
Methods: For the analysis of the assumed relationships data of the lidA study “lidA – leben
in der Arbeit - German Cohort Study on Work, Age and Health” is used (N=6 057). Mental
health is assessed by the mental health scale of the SF-12. In addition, the items
and the scales quantitative job requirements, work pace and support from colleagues
from the Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ) are used. As further control
variables cohort affiliation, level of education, occupational status and partnership
are considered.
Results: Multivariate analyses of the relations between quantitative job requirements, work
pace and the experienced support from colleagues show significant relationship to
mental health. The increasing frequency of the requirement to work quickly and increasing
quantitative job demands are negatively associated to mental health. However, support
of colleagues shows a positive relationship to mental health. These results are similarly
observed for women and men.
Conclusion: For the regarded group of the German babyboomers, employees at the threshold to higher
working age, it is clearly shown that psychosocial working conditions are related
to mental health. Since this group still has to work up to 18 years given a statutory
retirement age of 67, psychosocial working conditions should rather be in the focus
of occupational safety.
Schlüsselwörter
psychosoziale Arbeitsbedingungen - mentale Gesundheit - lidA-Studie - Babyboomer
Key words
psychosocial working conditions - mental health status - lidA study - German babyboomer