Problemstellung:
Die Inzidenz der Plazentaimplantationsstörung hat in den letzten zwei Dekaden deutlich
zugenommen. Die allgemein hohe Schnittentbindungrate und die Zunahme des maternalen
Lebensalters dürften dafür wesentliche Ursachen sein. Der Geburtsmediziner ist gefordert
insbesondere bei Z.n. Schnittentbindung frühzeitig und gezielt eine Plazentaimplantationstörung
auszuschließen. Damit kann das grundsätzlich lebensgefährliche Risiko für die Mutter
entscheidend gesenkt werden.
Falldarstellung:
Die 41-jährige Gravida V Para IV mit Z.n. Re-Sectio caesarea stellte sich wegen vaginaler
Blutung bei bekannter Plazenta praevia totalis mit 33+0 SSW vor. Wir konnten 11 von
13 sonographischen Markern der European Working Group on Abnormally Invasive Plazenta
(EW-AIP) für Plazentaimplantationsstörungen nachweisen und die Diagnose einer ausgeprägten
Plazenta increta stellen. Es erfolgte die Planung des weiteren geburtshilflichen Managements
im interdisziplinären Konsens und die Entscheidung zur primären Sectiohysterektomie
mit 36. SSW.
Ergebnisse:
Der Eingriff erfolgte in der 36+0 SSW nach bilateraler Einlage von Ureterschienen.
Bei einem Blutverlust von 2000 ml wurden 2 Erythrozytenkonzentrate appliziert. Eine
Harnblasenläsion wurde intraoperativ versorgt. Das Kind war vital und zeitgerecht
entwickelt. Postoperativ mussten ein Scheidenabzeß und ein Harnwegsinfekt therapiert
werden. Histologisch wurde eine ausgeprägte Plazenta increta bestätigt.
Schlussfolgerung:
Plazentaimplantationsstörungen haben ein hohes maternales Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko.
Durch spezialisierten und gezielten Ultraschall können sie ausreichend sicher diagnostiziert
werden und daraus ein adäquates Entbindungsmanagement festgelegt werden.