Zusammenfassung
Zur Bestimmung von rekombinantem (r-)Hirudin stehen auf der Gerinnselbildung beruhende, amidolytische, immunologische und physikochemische Techniken zur Verfügung. Die globalen Tests wie PTZ, aPTT und Heptest reagieren nicht ausreichend auf r-Hirudin in dem Bereich von 0,5 bis 10,0 μg/ml, in dem volle Antikoagulation erreicht wird, wie dies aus Thrombosemodellen im Tierversuch hervorgeht. Der Thrombinzeittest mit 10 E/ml war sehr empfindlich auf r-Hirudin, die Kalzium-Thrombin-Gerinnungszeitmit 10 E/ml reagierte dosisabhängig in einem Bereich von 0,15 bis 10,0 μg/ml. Vollblutgerinnungstests wie ACT und Thrombelastographie messen den r-Hirudinspiegel bis 25 μg/ml effektiv. Der amidolytische Anti-Faktor-IIa-Test, spezifisch für die Beurteilung der direkten Thrombinhemmung, war besonders dann sehr effektiv, wenn das Probenvolumen im Verhältnis zur Thrombinkonzentration zur Bestimmung höherer r-Hirudinkonzentrationen vermindert wurde. Dieser Test könnte für die Qualitätskontrolle geeignet sein, da er biochemisch definiert ist und die Reagenzien leicht standardisiert werden können. Thrombinbildungstests auf der Basis synthetischer Substrate zeigten eine nur geringe Wirkung von r-Hirudin; hingegen wiesen Tests, die auf der Bildung von Thrombin-Antithrombin-Komplexen und auf der Bildung von Prothrombinfragment F1+2 beruhen, eine dosisabhängige Reaktion auf. Immunologische Methoden (ELISA) sind in der Entwicklung. Da diese Tests sowohl das gebundene als auch das freie r-Hirudin bestimmen und da sie bereits auf Submikrogrammspiegel empfindlich sind, dürften sie nur für die direkte Bestimmung der absoluten r-Hirudinspiegel, nicht aber für die Überwachung der klinischen Antikoagulation geeignet sein.