Aktuelle Ernährungsmedizin 2019; 44(02): 139
DOI: 10.1055/s-0039-1684903
6) Klinische Ernährungsmedizin I: Prävention und Lebensstil
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wirksamkeit eines Programms zur Förderung einer gesundheitsbewussten Lebensweise von Menschen mit psychischen Erkrankungen

AS Mueller-Stierlin
1   Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Universität Ulm
,
V Kirschner
1   Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Universität Ulm
,
N Lamp
1   Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Universität Ulm
,
R Kilian
1   Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Universität Ulm
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Publication Date:
26 April 2019 (online)

 

Einleitung:

Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung häufiger an körperlichen Erkrankungen (z.B. Übergewicht, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen). Ungesunde Lebensgewohnheiten, Nebenwirkungen von Medikamenten, ungünstige Lebensbedingungen und die Vernachlässigung der körperlichen Gesundheit werden als zentrale Ursachen für die schlechte körperliche Gesundheit der Betroffenen angesehen [1]. Um der verstärkten Antriebslosigkeit und dem eingeschränkten Durchhaltevermögen dieser Patientengruppe gerecht zu werden, wurde ein spezielles Programm zur Förderung einer gesunden Lebensweise (hinsichtlich der Ernährung und Bewegung) für diese Risikopopulation entwickelt, welches auf den Prinzipien der motivierenden Gesprächsführung beruht [2].

Im Forschungsprojekt HELPS wird untersucht, ob die Teilnahme an diesem Programm zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens und des körperlichen Wohlbefindens von Menschen mit psychischen Erkrankungen führt.

Methoden:

Es handelt sich um eine Mixed-Method Studie. Es wurden 17 Mitarbeiter/innen sozialpsychiatrischer Wohneinrichtungen zu Multiplikator/innen ausgebildet. Außerdem wurden 70 Bewohner/innen dieser Einrichtungen aus dem Raum München rekrutiert. Es erfolgten qualitative Einzelinterviews mit den Multiplikator/innen, welche inhaltsanalytische ausgewertet wurden. Außerdem wurde von Januar 2017 bis Dezember 2018 eine quasiexperimentelle, kontrollierte Studie mit vier Messzeitpunkten im Abstand von sechs Monaten durchgeführt. Die statistische Analyse erfolgte mithilfe von linearen gemischten Modellen.

Ergebnisse:

Die Abbruchrate zwischen Visite 1 (t0) und Visite 4 (t0 + 18 Monate) betrug 23% (n = 16 von 70). Die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung zeigen keine generelle Überlegenheit hinsichtlich der Wirksamkeit der Intervention im Vergleich zur Standardversorgung im Hinblick auf die für diese Untersuchung gewählten Ergebnisparameter. Im Rahmen der qualitativen Inhaltsanalyse konnten jedoch Barrieren und förderlichen Faktoren des Gesundheitsprogrammes identifiziert werden, wodurch die Ergebnisse der quasiexperimentellen Studie erklärt werden können.

Schlussfolgerungen:

Die Erkenntnisse, die mit dieser Studie gewonnen werden, sollen in Zukunft zur Weiterentwicklung von bestehenden Versorgungsmodellen beitragen. Durch die Etablierung wirksamer Gesundheitsförderungsprogramme in der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen soll körperlichen Erkrankungen dieser Risikopopulation vorgebeugt werden.

Literatur:

[1] Hert, M. De et al. (2011). Physical illness in patients with severe mental disorders. I. Prevalence, impact of medications and disparities in health care. World Psychiatry. 52 – 77.

[2] Weiser, P. (2014). Rationale, Component Description and Pilot Evaluation of a Physical Health Promotion Measure for People with Mental Disorders across Europe. J Community Med Health Educ.