Zusammenfassung
Hintergrund: Kinder mit einer angeborenen beidseitigen Innenohrschwerhörigkeit haben Probleme mit der Wahrnehmung von Konsonanten aus dem Hochtonfrequenzbereich wie /s/ und /t/, insbesondere wenn sich diese am Wortende befinden. Wir sind der Frage nachgegangen, ob sich die gestörte Rezeption dieser Laute auf deren Produktion auswirkt.
Methode: Mit 30 Kindern im Alter zwischen 3 und 4 Jahren (11 schwerhörige und 19 Kontrollkinder) wurde ein Benenntest durchgeführt. Im Zentrum standen dabei einfache auf /s/ und/oder /t/ auslautende Wörter wie z. B. Haus, Stift oder Wurst. Im Rahmen einer Follow-up-Erhebung wurden die schwerhörigen Kinder im Alter zwischen 6 und 8 Jahren erneut getestet.
Ergebnisse: Die schwerhörigen Kindern erzielten bei dem Benenntest signifikant schlechtere Ergebnisse als die normalhörenden Kontrollkinder. Sie hatten insgesamt große Probleme damit, die Laute /s/ und /t/ als Teil eines Konsonantenclusters am Wortende zu bilden. Des Weiteren wurde deutlich, dass auch schwerhörige Kinder im Schulalter noch Schwierigkeiten in diesem Bereich haben können.
Diskussion: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen der beeinträchtigten Sprachperzeption innenohrschwerhöriger Kinder und Problemen bei der Produktion silbenfinaler koronaler Konsonanten aus dem Hochtonfrequenzbereich gibt.
Abstract
Background: Children with hearing impairment have difficulties to perceive high-pitched sounds such as /s/ and /t/ at the end of a word. We examined if these perceptual problems have an effect on the production of /s/ and /t/ specifically at the end of a word.
Method: We conducted a picture-naming task to study the ability of hearing-impaired children to produce /s/ and /t/ in word-final position. We tested 30 children (11 children with hearing impairment and 19 children with normal hearing). They were between 3 and 4 years old when tested the first time. The hearing-impaired children were retested between the age of 6 to 8 years..
Results: Children with hearing impairment were significantly less successful in producing the syllable-final coronal obstruents /s/ and /t/ compared to children with normal hearing. Specifically, we observed a tendency to omit /s/ and/or /t/ in syllable-final consonant clusters in hearing-impaired children. The observed difficulties can continue into primary school age.
Discussion: The results of the picture-naming task indicate a correspondence between specific perceptual problems and the production of /s/ and /t/ in syllable-final consonant clusters in children with hearing impairment.
Schlüsselwörter
Spracherwerb - Schwerhörigkeit - Lautperzeption - Sprachproduktion - Silbe - Flexionsmorphologie
Key words
language acquisition - hearing impairment - phoneme reception - phoneme production - syllable - inflectional morphology