Übersicht
Der Autor stellt einen Zusammenhang her zwischen drei häufig geäußerten Kritikpunkten
an der Psychoanalyse und ihrem Umgang mit ihnen und der Klinik der sogenannten frühen
Störungen oder Borderline-Fälle. Er erläutert dann seine psychoanalytische Theorie
der masturbatorischen Position, bei der der Aussperrung der Sexualität aus dem analytischen
Vorgang und der Vermeidung der freien Assoziation eine zentrale Bedeutung zukommt.
Vor dem Hintergrund der Theory-of-Mind-Theorie unterscheidet er eine konkretistische
und eine repräsentationale Form psychischen Geschehens. Menschen, die als Erwachsene
an einer frühen Störung erkranken, erleiden in der Adoleszenz einen Zusammenbruch
der psychischen Entwicklung, der in erster Linie ein Scheitern der repräsentationalen
Mentalisierung der Sexualität zur Psychosexualität bedeutet, wie sie der Autor versteht.
Statt ihrer kommt es zu einer Aussperrung und masturbatorischen Abfuhr der sexuellen
Spannung, die mit konkretistischen antisexuellen inneren Dyaden einhergeht. Aufgrund
des von der Psychoanalyse einst entdeckten Pansexualismus bedeutet diese Struktur
eine allgemeine Behinderung der repräsentationalen Funktionsweise, die sich in der
Symptomatik der frühen Störung ausdrückt. Für die Zukunft der klinischen Psychoanalyse
kommt der Lösung des beschriebenen Problems große Wichtigkeit zu. Dazu werden abschließend
einige Hinweise gegeben.
Schlüsselwörter
Adoleszenz - freie Assoziation - frühe Störung - masturbatorische Position - Pansexualismus
- Psychoanalyse - Psychosexualität - Theory of Mind