Dtsch Med Wochenschr 2017; 142(03): 205-208
DOI: 10.1055/s-0042-116460
Klinischer Fortschritt
Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Moderne Therapie der Obstipation

Modern Treatment of Obstipation
Daniela Menge
,
Peter Layer
,
Viola Andresen
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Publication History

Publication Date:
10 February 2017 (online)

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Was ist neu?

Therapie im Stufenschema Die interdisziplinäre „S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie“ fasst die aktuelle wissenschaftliche Evidenz zusammen. Chronische Obstipationsbeschwerden bedürfen eines gewissen Maßes an Diagnostik. Insbesondere sollten ggf. auslösende Ursachen rasch identifiziert werden, um zwischen Stuhlentleerungsstörungen und Transitstörungen zu differenzieren. Zur Therapie der chronischen Obstipation empfiehlt sich die Anwendung eines Stufenschemas, das Allgemeinmaßnahmen, konventionelle Laxanzien, moderne medikamentöse Ansätze sowie ggf. chirurgische Interventionen umfasst.

Prucaloprid Mit Prucaloprid, einem 5-HT4-Rezeptor-Agonisten, steht ein wirksames Prokinetikum für konventionell therapierefraktäre Obstipationspatienten zur Verfügung.

Linaclotid Linaclotid, ein in Deutschland für das obstipationsprädominante Reizdarmsyndrom zugelassener Guanylatcyclase-C-Rezeptoragonist, kann bei chronischer Obstipation ohne weitere Reizdarmbeschwerden bei ansonsten ausgeschöpfter medikamentöser Therapie eine Behandlungsoption als Off-label-Use darstellen.

µ-Opioid-Rezeptor-Antagonisten (PAMORA) Durch selektive Blockade der Opioidwirkung am Darm konnte das Behandlungsspektrum der opioidinduzierten Obstipation (OIC) erweitert und wesentlich verbessert werden. Neben Naloxon (das in der oral retardierten Form nahezu nicht systemisch wirkt) stehen heute mit dem subkutan zu applizierenden Methylnaltrexon und dem neuen, oral verfügbaren Naloxegol auch „echte“, rein peripher wirksame µ-Opioid-Rezeptorantagonisten zur Verfügung.

Sakralnervenstimulation Die Wirksamkeit der Sakralnervenstimulation bei der chronischen Obstipation konnte bisher nicht hinreichend nachgewiesen werden. Dennoch kann sie bei ausgesuchten therapierefraktären Patienten, besonders vor einer subtotalen Kolektomie, versucht werden.