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DOI: 10.1055/s-0042-122645
Hepatische Enzephalopathie
Publication History
Publication Date:
17 March 2017 (online)


Die hepatische Enzephalopathie (HE) ist eine häufige und folgenschwere Komplikation v. a. der Leberzirrhose: Bei Auftreten einer HE liegt definitionsgemäß eine dekompensierte Leberzirrhose vor und die Prognose der Patienten verschlechtert sich deutlich. Der Beitrag fasst das aktuelle Wissen über die HE zusammen mit dem Schwerpunkt auf der Therapie der verschiedenen Typen und Schweregrade der HE.
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Die HE ist ein neurologisch psychiatrisches Syndrom, das fast immer mit einem akuten oder chronischen Leberversagen assoziiert ist. Eine HE verschlechtert die Prognose der betroffenen Patienten.
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Pathogenetisch steht am Anfang eine Dysfunktion und Schwellung der Astrozyten des Gehirns, ausgelöst durch die vermehrte Aufnahme von Ammoniak. Dieser entsteht beim Abbau endogener und/oder intestinaler Proteine.
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Eine qualitative Änderung des Mikrobioms im Darm bei Leberzirrhose begünstigt die Entwicklung der HE.
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Die Diagnose erfolgt in der Regel klinisch. Psychometrische Tests definieren die minimale HE, deren Vorliegen allerdings selten eine Therapiemaßnahme nach sich zieht.
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Das Fahrvermögen von Patienten mit subklinischer HE kann nicht mit psychometrischen Tests, sondern nur im realen oder simulierten Fahrtest überprüft werden.
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Auf die Bestimmung des Serumammoniakspiegels sollte verzichtet werden, da sich keine sicheren diagnostischen oder therapeutischen Konsequenzen ableiten lassen.
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HE-Typ (A, B, C), Schweregrad (West-Haven-Kriterien) und Vorliegen eines HE-Auslösers bestimmen das therapeutische Vorgehen. Beim HE-Schweregrad 3 und 4 ist eine intensivmedizinische Betreuung indiziert.
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Die Therapie einer akuten HE-Episode erfolgt ebenso wie die Sekundärprophylaxe nach einer HE primär mit Lactulose. Die Sekundärprophylaxe nach einer HE-Episode ist nicht indiziert, wenn ein HE-Auslöser vorlag und erfolgreich therapiert werden konnte.
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Bei Unverträglichkeit oder Unwirksamkeit von nicht absorbierbaren Disacchariden kann auf Rifaximin allein bzw. in Kombination mit Lactulose umgestellt werden.
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L-Ornithin-L-Aspartat ist in oraler Form bei oHE unwirksam. Eine Proteinrestriktion ist bei Leberzirrhose und HE nicht indiziert.