OP-Journal 2017; 33(01): 49-55
DOI: 10.1055/s-0042-123097
Fachwissen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kranioplastiken: Indikationen und Materialien

Cranioplasties: Indications and Materials
Thomas Kapapa
,
Christian Rainer Wirtz
,
Peter Richter
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
23. Juni 2017 (online)

Zusammenfassung

Nach Trauma, Infektionen oder Operationen kann es zu kleineren oder größeren Knochensubstanzdefekten am Gesichts- oder Hirnschädel kommen. Kleinere Knochendefekte stellen für das Hirn keine Gefahr dar, auch nicht bei diffusen Traumen, und zeigen keinen Einfluss auf den neurologischen Status. Dennoch ist der Verschluss größerer Knochenlücken am Schädel aus protektiven, kosmetischen und therapeutischen Erwägungen angezeigt. Besonders das „Syndrom des Trepanierten“ oder „Sinking-Skin-Flap-Syndrom“ mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfällen und psychischen sowie psychologischen Auffälligkeiten nach Teilentfernung der Schädeldecke zeigt ein gutes Ansprechen auf den Verschluss. Es gibt Hinweise darauf, dass Kranioplastiken bereits seit Tausenden von Jahren durchgeführt wurden. Was einst als Einbringen eines Fremdkörpers in eine Knochenlücke begann, entwickelte sich zu einem mehrzeitigen, mehrregionalen, komplexen fazioorbitokranialen Eingriff. In dieser Entwicklung spielten über die Jahrhunderte hinweg kriegerische Auseinandersetzungen, von Handgreiflichkeiten bis hin zu moderner Militärtechnologie, in der Entstehung von Schädel-Hirn-Traumen und deren rekonstruktiven Therapien eine große Rolle. Während die letzten Jahrhunderte davon geprägt waren, das richtige Material zur Schädelplastik zu identifizieren, führt nun der weitere Weg über computerassistiertes Design zur zellmodulierenden und somit knochenverschließenden Technik.

Abstract

Trauma, infection or surgery may lead to minor or major bone defects in the cranium. Smaller bone defects may not represent a risk to the brain, even in diffuse trauma, and do not affect the neurological status. However, the closure of large bone gaps on the skull is indicated for protective, cosmetic and therapeutic reasons. In particular, the “syndrome of trephined” or “sinking skin flap syndrome” is accompanied by headache, nausea, vomiting, seizures, mental and psychological abnormalities after partial removal of the skull and shows a good response to closure. There are indications that cranioplasty has been performed for thousands of years. What began as introducing a foreign body into a bone gap developed into multiple regional and complex facio-orbito-cranial operations. Over the centuries, armed conflict, ranging from fisticuffs to modern military technology, has played a large role in the development of cranio-cerebral trauma and the corresponding reconstructive therapies. In the past centuries it was highly important to identify the right material for cranioplasty. Modern procedures are based on computer-assisted design. Further investigation may lead to techniques for cell modulation and bone occlusion.