Prof. Dr. med. Manfred Wildner
Die Gärten am Rande der persischen Steppe müssen geradezu verzaubert haben: „Paradies“
wurden sie genannt, umgeben von in der Regel hohen Mauern boten sie Raum für Musik
und Spiel, Essen und Trinken und wohl auch darüber hinaus die drittwichtigste Sache
der Welt. Das griechische Wort paradeisos (Bedeutung: Tiergarten, Park) stammt ebenso
wie das hebräische „pardes“ von der altiranischen Bezeichnung „pairi-daeza“ ab, welches
für einen umgrenzten (Garten-)Bereich verwendet wurde. In der jüdisch-christlichen
Paradies-Tradition wurde der Apfel vom Baum der Erkenntnis dann auch mit Sexualität
gleichgesetzt, deren Genuss paradoxerweise zum Verlust des Paradieses führte. Dies
ist der hebräischen Nebenbedeutung von Erkennen, welche auch ein Ausdruck für die
oben angeführte Drittwichtigste Sache der Welt ist, zuzuschreiben. Wir dürfen es getrost
bei der wortgetreuen Wiedergabe des Apfelbaumes als „Baum der Erkenntnis von Gut und
Böse“ belassen. Als Ursache des verlorenen Paradieses wäre, plausibler und dem Text
näher ein menschheitsgeschichtlich erster Schritt in Richtung intellektuell-moralischer
Unterscheidung und Bewertung.