Geburtshilfe Frauenheilkd 2022; 82(10): e49
DOI: 10.1055/s-0042-1756757
Abstracts | DGGG

Einfluss von Serum-Progesteronkonzentrationen auf die Schwangerschaftsrate im IVF/ICSI-Frischzyklus

J Becker
1   Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU München, Hormon-und Kinderwunschzentrum, München, Deutschland
,
N Rogenhofer
1   Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU München, Hormon-und Kinderwunschzentrum, München, Deutschland
,
C Winter
1   Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU München, Hormon-und Kinderwunschzentrum, München, Deutschland
,
S Mahner
2   Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU München, München, Deutschland
,
CJ Thaler
1   Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU München, Hormon-und Kinderwunschzentrum, München, Deutschland
› Author Affiliations
 

Zielsetzung Progesteron (P4) spielt eine wesentliche Rolle für die endometriale Rezeptivität und wird in der Lutealphase von IVF/ICSI-Frischzyklen hochdosiert substituiert. Aktuelle Daten verweisen auf einen wichtigen prognostischen Wert der P4-Serumkonzentration im Kryozyklus und lassen mögliche klinische Interventionsstrategien erkennen. Für den Embryotransfer (ET) im IVF/ICSI-Frischzyklus sind derartige Zusammenhänge noch weitgehend unklar. Wir haben anhand einer retrospektiven Analyse die P4-Serumkonzentration zum ET nach IVF/ICSI untersucht und mit den jeweiligen Schwangerschaftsraten (SS-Rate) verglichen.

Material/Methoden Es wurden insgesamt 319 Behandlungszyklen (Zeitraum 01.07.2018- 03.12.2020) nach kontrollierter ovarieller Stimulation und ET ausgewertet. Die P4-Bestimmung erfolgte zum Zeitpunkt des ET und als primärer Endpunkt wurde der serologische Nachweis einer Frühschwangerschaft >14 Tage nach Follikelpunktion definiert. Die Lutealphasensubstitution erfolgte mit natürlichem mikronisiertem P4 (400mg 2x/d oder 200mg 3x/d vaginal) und transdermalem E2. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Mann-Whitney-U-Test.

Ergebnisse Die SS-Rate aller ETs betrug 32%, wobei diese bei den 41 ETs mit P4-Werten <31ng/ml mit 15%, gegenüber 37% bei den 237 ETs mit >31ng/m signifikant (p < 0,0001) geringer war. Das Alter der Patientinnen in diesen beiden P4-Gruppen unterschied sich nicht signifikant.

Zusammenfassung Unsere Daten erweitern aktuelle Publikationen zum substituierten Kryozyklus. Demnach scheinen die Schwangerschaftsraten auch im IVF/ICSI-Frischzyklus von der P4-Serumkonzentration beeinflusst zu sein. P4-Konzentrationen von <31ng/ml sind mit signifikant verminderten SS-Raten assoziiert. Es bleibt spekulativ, ob eine Intervention mit erhöhter P4-Substitution im Frischzyklus oder ein freeze all mit optimierter P4-Substitution im nachfolgenden Kryo-ET höhere Schwangerschaftsraten zur Folge hätte.



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Article published online:
11 October 2022

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