Geburtshilfe Frauenheilkd 2022; 82(10): e80-e81
DOI: 10.1055/s-0042-1756840
Abstracts | DGGG

Effizienzbeurteilung der intraoperativen Präparateradiographie im Rahmen der brusterhaltenden Therapie maligner Brusttumore bei cCR nach neoadjuvanter Chemotherapie

A Haller
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
B Schäfgen
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
S Steudt
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
C Gomez
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
A Stieber
2   Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Sektion Radiologie im Brustzentrum, Heidelberg, Deutschland
,
R Togawa
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
J Nees
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
F Riedel
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
S Fastner
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
A Hennigs
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
P Sinn
3   Pathologisches Institut, Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie, Heidelberg, Deutschland
,
T Bruckner
4   Institut für Medizinische Biometrie und Informatik (IMBI) der Universität Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
,
M Wallwiener
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
J Heil
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
,
M Golatta
1   Universitäts-Frauenklinik, Heidelberg, Deutschland
› Institutsangaben
 

Zielsetzung Als Randbeurteilungsmethode wird die intraoperative Präparateradiographie (PR) im Rahmen der brusterhaltenden Therapie (BET) bei Mammakarzinom angewandt. Unter neoadjuvanter Chemotherapie (NAC) kommt es häufig zur klinischen Komplettremission (cCR), welche eine niedrige Prävalenz positiver Schnittränder zur Folge hat. Diese Studie befasst sich mit der Sinnhaftigkeit des Einsatzes der PR bei NAC und cCR vor BET in Bezug auf die Detektion positiver Schnittränder und die Vermeidung von Zweitoperationen.

Materialien und Methoden 167 Fälle zwischen 2016 und 2019 erreichten nach NAC eine cCR und wurden daraufhin mit einer BET und intraoperativer PR in der Universitätsfrauenklinik Heidelberg behandelt und für diese retrospektive Studie eingeschlossen. Das PR-Ergebnis und die daraus resultierende Empfehlung zur Nachresektion (NR) wurde mit dem postoperativen Pathologiebericht als Goldstandard für jede Richtung verglichen und die Rate an vermiedenen Zweitoperationen evaluiert.

Ergebnisse Durch die intraoperative PR wurden insgesamt 1002 Ränder untersucht, wobei 9 (0,9%) richtig positiv und 130 (13,0%) falsch positiv beurteilt wurden; daraus ergibt sich ein PPV von 6,5%. Die Prävalenz initial positiver Schnittränder betrug 3,8%. Trotz intraoperativer NR in 93 Fällen musste aufgrund pathologisch positiver Schnittränder in 8 Fällen eine Zweitoperation durchgeführt werden. Ohne intraoperativer PR und entsprechenden intraoperativen NR wären es 13 Zweitoperationen gewesen mit einer NNT von 200 Schnitträndern bzw. 34 Fällen.

Zusammenfassung Der PPV der PR bei cCR nach NACT ist sehr niedrig und die NNT ist entsprechend hoch. Durch die geringe Prävalenz initial positiver Schnittränder können durch die PR-Empfehlung zur NR Zweitoperationen nur selten verhindert werden. Der routinemäßige Einsatz der PR bei cCR sollte kritisch hinterfragt werden.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
11. Oktober 2022

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