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DOI: 10.1055/s-0042-1757038
RED-S bei Frauen im Leistungs- und Breitensport – Etablierung einer interdisziplinären Sprechstunde
Autor*innen
Zielsetzung Beim Relativen Energie-Defizit im Sport (RED-S) kommt es durch den relativen Energiemangel zu einem hypogonadotropen Hypogonadismus mit konsekutiver Oligo- bis Amenorrhoe und weiteren Hormonmangelsymptomen (bspw. Osteopenie/-porose). Unbehandelt kann es zu schwerwiegenden Langzeitfolgen kommen. Da eine kausale Behandlung (die Reduktion der körperlichen Aktivität) insbesondere im Leistungssport häufig schwierig umzusetzen ist, bedarf das RED-S einer interdisziplinären Behandlung. An der Universitätsklinik Tübingen wurde hierfür eine interdisziplinäre Sprechstunde durch die Sportmedizin initiiert; in Kooperation mit der Frauenklinik, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Psychosomatik.
Materialien Es erfolgte eine retrospektive Auswertung aller Frauen, die sich zwischen dem 01.01.2020 und dem 31.01.2022 mit Verdacht auf RED-S in der Universitätsfrauenklinik Tübingen vorstellten. Analysiert wurden der Trainingsumfang, der Menstruationszyklus, das basale Hormonprofil und weitere Komorbiditäten im Zusammenhang mit RED-S.
Ergebnisse Im Studienzeitraum stellten sich 20 Frauen mit RED-S in der Frauenklinik vor, 13 wurden primär durch die sportmedizinischen Kaderuntersuchungen zugewiesen. 3 Athletinnen hatten eine primäre Amenorrhoe, allesamt betrieben Leistungssport. Weitere 10 Leistungssportlerinnen hatten eine sekundäre Amenorrhoe und 2 Leistungssportlerinnen hatten eine Oligomenorrhoe. Eine Athletin hatte Stressfrakturen in ihrer Anamnese, weitere 4 ein Knochenödem. 4 Patientinnen betrieben Breitensport, allesamt hatten eine sekundäre Amenorrhoe.
Zusammenfassung Die Mehrzahl der RED-S Patientinnen fielen in unserem Kollektiv durch Kaderuntersuchungen auf, die jedoch nur eine sehr kleine Gruppe der Sporttreibenden erhält. Insbesondere im Breitensport dürfte die Prävalenz des RED-S und seine Folgen daher deutlich unterschätzt werden. Im Hinblick auf die Gesundheit aller Sporttreibenden sollte das RED-S in Forschung, Klinik und Sport mehr Beachtung finden und unbedingt einen Stellenwert im gynäkologischen Alltag erhalten.
Publikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
11. Oktober 2022
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