Geburtshilfe Frauenheilkd 2022; 82(10): e167
DOI: 10.1055/s-0042-1757062
Abstracts | DGGG

Erhöhtes Thromboserisiko durch fertilitätsprotektive Maßnahmen: ist eine prophylaktische Antikoagulation bei Karzinompatientinnen sinnvoll? Ein Fallbericht

Authors

  • A Stefan

    1   LMU Klinikum, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Brustzentrum und Comprehensive Cancer Center (CCC) München LMU, München, Deutschland
  • D Dziura

    2   LMU Klinikum, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hormon- und Kinderwunschzentrum der LMU, München, Deutschland
  • A König

    1   LMU Klinikum, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Brustzentrum und Comprehensive Cancer Center (CCC) München LMU, München, Deutschland
  • R Würstlein

    1   LMU Klinikum, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Brustzentrum und Comprehensive Cancer Center (CCC) München LMU, München, Deutschland
  • N Harbeck

    1   LMU Klinikum, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Brustzentrum und Comprehensive Cancer Center (CCC) München LMU, München, Deutschland
  • CJ Thaler

    2   LMU Klinikum, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hormon- und Kinderwunschzentrum der LMU, München, Deutschland
 

Zielsetzung Das Mammakarzinom ist die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung weltweit und betrifft Frauen in allen Lebensphasen. Aufgrund eines erhöhten Rezidivrisikos ist bei jungen Frauen häufig eine (neo-)adjuvante Chemotherapie indiziert. Da diese die Fertilität negativ beeinflusst, kann eine Fertilitätsprotektion unter Einschluss fertlitätserhaltender Maßnahmen durchgeführt werden. Durch hormonelle Stimulation kann das bei aktiver Krebserkrankung ohnehin erhöhte Thromboembolierisiko steigen.

Berichtet wird der Fall einer prämenopausalen Patientin mit Indikation zur neoadjuvanten Chemotherapie bei Mammakarzinom. Unter Fertilitätsprotektion entwickelte die Patientin eine Portthrombose. Diese ist eine seltene Komplikation, welche die Gesundheit der Patientin sowie die weitere Therapie gefährden kann.

Auch bei fehlenden Risikofaktoren sollte bei bereits installiertem Portkatheter eine prophylaktische Antikoagulation während Fertilitätsprotektion diskutiert werden.

Anamnese und klinischer Befund Vorstellung der 39-jährigen Nullipara mit Erstdiagnose eines HR+/Her2- Mammakarzinoms rechts (cT1c cN0, G3, Ki67 60%, cM0). Vor geplanter neoadjuvanter Chemotherapie erfolgte komplikationslos die Implantation eines Portkatheters. Acht Tage später wurde eine Stimulation im Antagonistenprotokoll (FSH, HMG, Ganirelix) in Kombination mit Letrozol bei endokrin empfindlichen Tumor eingeleitet. Auf eine prophylaktische Antikoagulation wurde bei fehlenden zusätzlichen Risikofaktoren sowie unauffälligem BMI und Gerinnungsstatus verzichtet. Zehn Tage später stellte sich die Patientin mit Schmerzen und Schweregefühl der rechten oberen Extremität vor.

Diagnose Dopplersonographisch wurde eine portkatheterassoziierte Thrombose der V. subclavia und V.a axillaris links diagnostiziert.

Therapie & Verlauf Eine therapeutische Antikoagulation wurde begonnen. Im Verlauf konnte eine Follikelpunktion mit anschließender Kryokonservierung der Eizellen durchgeführt werden. Die Funktion des Portkatheters war nicht beeinträchtigt, die Patientin konnte die neoadjuvante Chemotherapie ohne relevante Zeitverzögerung beginnen. Die therapeutische Antikoagulation wurde für drei Monate fortgesetzt.



Publication History

Article published online:
11 October 2022

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